GEMA mal ganz einfach - Warum gibt es Grabenkämpfe zwischen E- und U-Musik?

  • 21.09.2011
  • Praxis
  • Wolfgang Vetter
  • Ausgabe: 1/2011
  • Seite 10-11

Ein immer wieder aufkommendes Thema ist die Frage nach der Unterscheidung zwischen U- und E-Musik und die damit einhergehenden Missverständnisse und (leider auch) Grabenkämpfe. Letztere entstehen durch das weit verbreitete und oft wiedergegebene Werturteil »E-Musik ist wertvoll – U-Musik hingegen nicht«. Die größten Missverständnisse jedoch resultieren aus der Tatsache, dass die E-Musik, die für »ernste« oder »ernst zu nehmende« Kunstmusik steht, fälschlicherweise auch heute immer noch mit klassischer Musik gleichgesetzt wird.Historische ZusammenhängeDer zentrale Gegensatz zwischen U- und E-Musik ist historisch begründet und versucht, musikalische Phänomene in ernste (E) und unterhaltende (U) zu unterteilen und ist in erster Linie auf die unterschiedliche Verteilungspraxis der europäischen Verwertungsgesellschaften zurückzuführen. Eingeführt wurde die Unterscheidung deshalb, weil im Laufe des 19. Jahrhunderts höfische Subventionen wegfielen. Diese Förderungen galten als Alternative zum wirtschaftlichen Erfolg beim Breitenpublikum. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden die weggefallenen Subventionen durch kommunale und staatliche Zuschüsse ersetzt.Heute gehört die E-Musik ihrer Definition nach zu den »kulturell bedeutenden Werken und Leistungen«, die nach § 7 des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes durch die Verteilungspraxis der Verwertungsgesellschaften zu fördern sind.

Das bedeutet auch, dass die GEMA (als einzige deutsche Verwertungsgesellschaft für musikalische Schöpfungen) gesetzlich dazu verpflichtet ist, Werke von kulturell höher stehender Bedeutung, die niemals den gleichen wirtschaftlichen Erfolg haben können wie beispielsweise ein Schlager, zu fördern. Deshalb gibt es auch ein eigenes Tarifwerk für Veranstaltungen mit E-Musik sowie gleichermaßen für die Mitglieder der GEMA (Komponisten, Textdichter, Verleger des E-Genres) einen eigenen Verteilungsplan.

Das sagt der Musiker...

»Vieles, was wir heute als E-Musik hören, war früher U-Musik. Zum Beispiel barocke Tanzsuiten, dazu wurde früher gegessen und getanzt. Das reine Konzert war noch selten und auch nur wenigen Leuten vorbehalten. Die Musik verfolgte damals immer einen Zweck. Man hatte die Sparte der Kirchenmusik und die Sparte der Musik für festliche Anlässe, zum Beispiel Fanfaren, Polonäsen, Tanzmusik oder Suiten. Nach dem Barock ist mit der Klassik das reine Konzert für die breitere Öffentlichkeit aufgekommen. Von da an wurde es immer konzertanter. Die Sinfonien in der Romantik haben sicherlich keinen U-Musik-Charakter mehr, das ist Musik, die man aufmerksam hören muss. Natürlich unterscheidet sich die E- von der U-Musik, schon alleine durch die Lokalität, wo etwas stattfindet.«

Zur Person:

Andreas Hofmeir wurde 1978 in München geboren, studierte Tuba in Berlin, Stockholm und Hannover. Er spielte unter anderem mit den Wiener und Berliner Philharmonikern, dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Bayerischen Staatsorchester. Hofmeir war 2005 weltweit der erste und bis heute auch der einzige Tubist, der sich den 1. Preis beim »Deutschen Musikwettbewerb« erspielte. Seit 2007 tourt er mit der bayerischen Brass-Combo »La Brass Banda« durch den deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.

Der Autor

Wolfgang Vetter (auch bekannt als André Carol – www.andrecarol.de) ist als Solist, Studio- und Live-Musiker seit vielen Jahren für und mit namhaften Acts tätig und weltweit unterwegs. Daneben reicht sein künstlerisches Schaffen als Arrangeur, Komponist, Textdichter und Verleger von Schlagern, Pop-Songs über Bigband- und Blasmusikwerke bis hin zu sinfonischen Filmmusiken und Broadway-Musicals. Als Delegierter der außerordentlichen und angeschlossenen GEMA-Mitglieder vertrat er jahrelang ehrenamtlich deren Interessen in verschiedenen wichtigen Gremien und Ausschüssen und ist Mitglied des erweiterten Vorstands im Bayerischen Komponistenverband.

« zurück