Geheimnisvoll - Die Platinum-Serie von Lupifaro

Der kreative Kopf hinter den Saxofonen der Marke Lupifaro ist Luca Cardinali. Der 47-jährige Italiener spielt Saxofon, seit er sieben ist und seit eben diesen 40 Jahren ist er mit Hingabe und Neugier quasi auf der ­Suche nach der Lösung des Mysteriums »Klang«. Mit Lupifaro ist er der Sache ein gutes Stück nähergekommen. Nachdem Luca Cardinali für verschiedene Hersteller als Techniker und Berater gearbeitet hatte und schon einige Saxofone unter seinem eigenen Namen baute, traf er ­Roberto Upazzoli von der Firma PhaselusS.A., der an seine Ideen glaubte. Zusam-men beschlossen sie, eine neue Linie mit außer­gewöhnlichen Musikinstrumenten zu kreieren. Die Saxofone gibt es in drei ­Serien: Silber, Gold und die exklusive Platinum-Serie, in der der Klang und die Vintage-Optik mit  herausragender Into­nation und präziser Mechanik kombiniert werden. Die Platinum-Serie ist »Made in Italy«.

Bekannte Saxofonisten in den USA waren voll des Lobes ob der Lupifaro-Saxofone, als der Entwickler Luca Cardinali sie ihnen im vergangenen Jahr vorstellte. Sogar Grammy-Gewinner waren dabei. Mancher wollte sich das Instrument gar für eine Plattenaufnahme ausleihen. Allerdings wollten die nicht namentlich in Clarino genannt werden – Vertragsverpflichtungen. Ende Februar machte nun eine Lupifaro-Delegation – bestehend aus Luca Cardinali, CEO Roberto Upazzoli und Projekt-Manager Jonas Kiehl – in der Redaktion Halt. Und hatte Saxofone dabei. 

Zu Gast war auch der Münchner Saxofonist Michael Hornstein, der mit den Instrumenten mal so richtig einheizen sollte. Sein Fazit vorab: »Ausgezeichnet!« Michael Hornstein wechselte im Alter von 14 Jahren unter dem Einfluss von Charlie Parker zum Altsaxofon. Er studierte Musik an der Hochschule für Musik in Graz und in Berklee/USA. Er schuf sich seinen Namen durch die Zusammenarbeit mit bekannten deutschen Jazzmusikern wie Albert Mangelsdorff und Wolfgang Dauner, aber auch internationalen Jazzstars wie Gary Peacock, Billy Hart oder Bob Dorough. Als Komponist und Produzent – auch elektronischer Musik – zeichnet er für eine Reihe von Auftragskompositionen für ARTE oder ARD sowie experimentelle Kurz­filme und Kunstvideos verantwortlich. Neben seiner Konzerttätigkeit unterrichtet Hornstein seit den 80er Jahren und gibt Workshops.

Clarino: Michael, wie haben Ihnen die Lupifaro-Saxo­fone vom ersten Eindruck her gefallen?

Michael Hornstein: Ausgezeichnet! Sehr professionell! Und ver­glichen mit den Referenzmodellen im Jazzbereich sind sie wirklich sehr nah dran. Die Lupifaro-Saxofone sind dabei sogar einen Tick offener und frischer im Klang. 

Clarino: Was ist ihnen denn besonders positiv aufgefallen?

Michael Hornstein: Die Intonation ist sehr gut! Die Intonation ist noch besser als bei alten Saxofonen. Die Ansprache ist – vor allem in den unteren Registern – auffallend gut. 

Luca Cardinali: Die Idee war es auch, die Klangeigenschaften und Klangfarben der alten Saxofone zu erreichen und dabei zudem noch die Intonation zu verbessern. Ich habe dabei darauf geachtet, die Position der Löcher so zu gestalten, dass der Luftfluss optimiert wird.
Michael Hornstein: Der Klang ist ein bisschen voller, ein bisschen heller. Klang ist natürlich immer Geschmacksache, aber ich kann klar und deutlich sagen: Diese Saxofone klingen sehr gut – ich könnte sofort darauf arbeiten.Der Preis übrigens ist schon sensationell. Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist exzellent. Vor allem, wenn jemand ein Vintage-Instrument sucht. 

Clarino: Sind denn die Saxofone ­explizit für Jazzer gebaut?

Luca Cardinali: Im Prinzip schon, denn die Instrumente sind ohne Hoch-Fis-Klappe gebaut. Ich denke, dass damit auch der Klang beeinflusst wird. Denn da, wo die Klappe wäre, wäre ein Loch im Korpus. Und weniger Löcher heißt: weniger Vibration des Metalls. Das verändert den Klang. Den besten Klang hätte man bei einem Saxofon ohne Löcher.

Clarino: Michael, was ist Ihnen denn sonst aufgefallen?

Michael Hornstein: Das Saxofon sieht sehr gut aus und ist eindeutig für Leute gedacht, die im Vintage-Bereich unterwegs sind. Es wirkt sehr wertig. Wie lange die Instrumente auf Dauer halten, vermag ich natürlich nicht zu sagen. Das muss die Zeit zeigen. Die Idee, das »nackte Metall« zu lackieren, finde ich eine sehr gute Idee. Auffällig ist: Luca Cardi­nali ist ein exzellenter Saxofonist. Man merkt, dass das Saxofon von einem Saxofonisten entwickelt wurde. Das ist natürlich sehr hilfreich.

Clarino: Luca, Sie sind laut dem Lupifaro-Prospekt seit über 30 Jahren »im Saxofon-Geschäft«. Ist es auch die ständige Suche nach dem »perfekten Instrument«, die einen antreibt? 

Luca Cardinali: Mein erstes Saxofon habe ich vor fast 40 Jahren bekommen. Seitdem bastele ich daran herum. Professionell beschäftige ich mich damit, seit ich 23 bin und seit 19 Jahren baue ich Saxofone. Zuerst bei anderen Firmen, dann unter meinem eigenen Namen und schließlich habe ich die Firma Phaselus getroffen. Die Instrumente der Platinum-Serie werden in Italien hergestellt. Das entscheidende Verfahren, das den Klang macht, ist das »vorsichtige Enthärten«, wie wir das auf Deutsch genannt haben. Dabei wird das Metall an bestimmten Stellen mit einem Schweißbrenner wieder erhitzt, um eine gewisse Elastizität her­zustellen. Dieses Verfahren wird aber nicht nur bei der Platinum-Serie angewandt, sondern auch bei allen anderen. Jeder Rohling wird persönlich von mir bearbeitet. 

Clarino: Wie sieht es mit dem Niveau des Spielers aus? Sollte man spielen können, wenn man zum Lupifaro-Platinum greift?

Luca Cardinali: Die Saxofone sind als professionelle Instrumente gedacht. Aber da die Ansprache relativ leicht ist, könnte auch ein Anfänger damit spielen. Vermutlich kann ein Anfänger noch nicht das große Potenzial ausmachen. Es gibt von Lupifaro da aber auch noch die Gold- und Silberserie, die ebenfalls mit dem Enthärtungsverfahren klangtauglich gemacht werden. Wichtig ist, dass ich diesen Schritt stets selbst durchführe. Denn dies ist das Geheimnis des Klangs. Das ist auch ein Problem bei manchem Saxo­fon. Da werden Instrumente eins zu eins nachgebaut, aber die Hersteller wissen oft überhaupt nicht, wie sie die Klang­qualität erreichen. 

Michael Hornstein: Weil sie das Verfahren nicht kennen?

Luca Cardinali: Genau. Man kann das mit Stradivaris Geigen vergleichen. Alle haben versucht, diese zu kopieren. Aber der Klang war immer anders. Denn der Klang entsteht nicht nur durch die Proportionen oder Dimensionen, sondern auch durch die Holzqualität, wie dieses gelagert wird und gereift ist. Die Proportionen und Dimen­sionen sind auch bei allen Saxofonen weitestgehend gleich. Aber deshalb klingen sie noch lange nicht gleich. Wenn man das gleiche Saxofon nimmt, wird man mit dem »vorsichtigen Enthärten« den Klang total verändern können. Das rohe Messing hat keine hohe Elastizität. Und wenn es erhitzt wird, wird es weicher. Aber wenn es zu stark erhitzt wird, wird der Klang zwar in den tiefen Registern besser, aber dann nicht in den hohen. Man muss also den richtigen Kompromiss finden. Es gibt heute Hersteller, die den Rohling komplett in den Ofen schieben – aber das ist dann der Unterschied vom maßgeschneiderten Anzug zur Stangenware. Wichtig ist es meiner Meinung nach, an verschiedenen Stellen unterschiedlich zu erhitzen.

Clarino: Dieses Verfahren dürfte dann ja in jahrelanger Erfahrung gereift sein. Wie viele Saxofone sind denn dabei »zum Opfer gefallen«?

Luca Cardinali: Viele. (lacht) Ich hatte das Glück, in einer Firma einen Arbeiter kennenzulernen, der dieses Verfahren beherrschte. Allerdings war der kein Musiker. Er hat es also als Arbeitsschritt gemacht, aber nicht testen, nicht wahrnehmen können. Ich konnte sofort den Unterschied vorher/nachher erkennen: erhitzen – spielen – erhitzen – spielen… 

Michael Hornstein: Eure Lupifaro-Blätter funktionieren auch sehr gut – muss ich leider sagen. (lacht)

Luca Cardinali: Wichtig für die Blätter ist das ausgezeichnete Rohmaterial, das wir in Südfrankreich gefunden haben. Ich habe versucht, ein flexibles Blatt herzustellen, flexibel in den Bedürfnissen der Musiker. Es ist ein Allround-Blatt und hält länger. Stolz bin ich auf den »Classic«-Schnitt. Der heißt nicht so, weil er für die klassische Musik ­gedacht, sondern wegen des klassischen Schnitts für jede Musikrichtung geeignet ist. Der andere Schnitt heißt »Jazz« – aber wir kennen Jazzer, die mit »Classic« spielen und Klassiker, die mit »Jazz« spielen. Das ist Geschmacksache. Die Flexibilität und Elastizität des Blatts wird davon beeinflusst, wie die Pflanze wächst. Das ist eben von der Witterung abhängig. Der Wind spielt eine Rolle genau so wie die Regenmenge. Denn der Wind beeinflusst die Elastizität, der Regen die Wachstumsgeschwindigkeit. Michael Hornstein: Und wie lange lagert das Holz dann?

Luca Cardinali: Zwei Jahre. Und vor jeder Produktion bin ich in Frankreich und begutachte das Rohmaterial. Es werden einige Probeblättchen gefertigt und je nachdem, wie diese reagieren, wird die Maschine justiert, um das optimale Ergebnis zu erhalten. Denn weil Holz ein natürlicher Rohstoff ist, kann sich das von Monat zu Monat ändern. Und dann muss man das anpassen. Wenn man die Blätter immer gleich schneidet, wird das Ergebnis Unterschiede aufweisen. Wenn Holz weniger elastisch ist, wird das Blatt zu hell, wenn es weicher ist, wird es dunkler. Deshalb muss man die minimale Jus­tierung vor jeder Produktion vornehmen, damit der optimale Klang erreicht wird.

  • 25.03.2014
  • Test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2014
  • Seite 62-64

« zurück