Geballtes Wissen aneignen - Test der Lernsoftware »MusiXcool«

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Susanne Ganzenmüller
  • Ausgabe: 7-8/2010
  • Seite 24-25

»MusiXcool« ist eine Lernsoftware, die mit spielerischen Mitteln die ganze Bandbreite des Musikwissens vermittelt. Sie ist in vielen Bereichen einsetzbar: im Instrumentalunterricht, in der Klasse und natürlich auch im Eigenstudium. clarino.test hat sich der Sache angenommen.

Die Benutzeroberfläche der Lernsoftware »MusiXcool« ist sehr ansprechend gestaltet – in Form einer Holzoberfläche, die wohl an einen Schreibtisch erinnern soll – und tatsächlich leicht zu bedienen. Über den Menü-Button gelangt man in eine aus sechs Lernbereichen bestehende Übersicht: Lektionen, Gehörbildung, Übungen, Tests, Instrumente und Memory. Ein Extra-Knopf »Leitfaden« bietet eine Übersicht über die sechs Lernbereiche und eine Orientierungshilfe, welche Aufgaben bereits erledigt wurden – dieser Leitfaden lässt sich auch ausdrucken.

Lektionen

Die insgesamt 13 Lektionen sind allesamt einzeln anwählbar. Beginnend beim Basiswissen in Lektion 1 werden Grundkenntnisse wie Notenschlüssel, Linien, Ganze Noten etc. vermittelt. In Lektion 13 soll der Schüler sich immerhin schon mit dem Quintenzirkel, Dur- und Molldreiklängen, Vierklängen etc. auseinandersetzen. Die Lektionen sind übersichtlich und ansprechend gestaltet – in Form eines Schulbuches, wobei man mit Klick auf eine Ecke zur nächsten Seite gelangt. Immer wieder sind wichtige Merksätze rot/orange hervorgehoben. Zwischen den einzelnen Erläuterungen finden sich des Öfteren verschiedene Animationen, so etwa ein »Show-Knopf«, mit dem interaktiv Noten hervorgehoben werden, eine Ohrmuschel als Symbol für Hörbeispiele – beispielsweise für Intervalle – oder ein »Info-Knopf« – hier öffnet sich ein kleines Fenster, welches darauf hinweist, welche Übungen (über das Menü auszuwählen) zum jeweiligen Thema passen. Da für die Benutzung der Software kein Grundwissen vorausgesetzt wird, man innerhalb von 13 Lektionen aber immerhin über die Bildung von Drei- und Vierklängen oder den Quintenzirkel Bescheid wissen soll, muss man feststellen, dass der Lernstoff zwar gut und einleuchtend erklärt wird, aber dennoch relativ schnell voranschreitet.

Beschäftigt man sich in Lektion 1 noch mit Linien und Zwischenräumen, so soll man in Lektion 3 beispielsweise schon Intervalle unterscheiden können. Der Aufbau der Lektionen kann von zwei Seiten betrachtet werden: Einerseits beinhalten alle Lektionen eine gut gemeinte Abwechslung – Langeweile kann bei den einzelnen Themen also nicht aufkommen – wiederum ist es auch fraglich, ob ein ständiger Wechsel, zum Beispiel vom Bassschlüssel zu Intervallen und anschließend zur Anordnung der Notenhälse oder ähnlichem innerhalb einer Lektion immer sinnvoll ist.GehörbildungDer Bereich »Gehörbildung« bietet nun aktive Übemöglichkeiten zu den in den Lektionen erläuterten Themen – Intervalle, Akkorde und Tonleitern. Das Gebiet »Intervalle« wird in neun Levels untergliedert – angefangen bei Level 1 mit Sekunde, Terz und Oktave und einem abschließendem Level 9 mit allen behandelten Intervallen. Ähnlich sind auch die Hörübungen »Akkorde« und »Tonleitern« aufgebaut. Angefangen bei Dur- und Mollakkorden über Sept- und Vorhalt-Akkorde gibt es wieder ein Level zum Schluss, indem zusammenfassend alle verschiedenen Akkorde abgefragt werden. So auch bei den Tonleitern: Jedes der fünf Level bietet ein bis zwei verschiedene Tonleitern (Dur und Moll, harmonisch, melodisch, Kirchentonleitern, Pentatonik, Ganztonleiter und Zigeunermoll).

Sehr positiv zu bewerten ist, dass alle Höraufgaben erst in Einzeltönen und hinterher als Intervall oder Akkord erklingen – wobei sooft wiederholt werden kann, wie gewünscht. Der Bereich »Gehörbildung« ist sicherlich sehr sinnvoll aufgebaut, doch auch hier geht alles in sehr großen Schritten voran. Wer noch nie eine Terz hören musste, wird sich sicherlich schwertun, nach ein paar wenigen Levels schon sämtliche Intervalle und Akkorde zu unterscheiden, wobei auch erwähnt werden sollte, dass der Schüler ja selbst entscheiden kann, wie schnell er die einzelnen Levels übt.

Übungen

Dieser Teilbereich ist aus Sicht des Musikpädagogen wohl der sinnvollste. Durch die optisch ansprechende Gestaltung macht es Spaß, einzelne musikalische Themen gezielt zu üben. Möchte man sich intensiv mit Kirchentonleitern auseinandersetzen, so ist dies hier in einer spielerischen Übung möglich. Dabei (meist bei Multiple-Choice-Aufgaben) wird angezeigt, ob das Ergebnis richtig oder falsch war.

Tests

Mit den Tests kann man – so erläutern es auch die Software-Hersteller – kontrollieren, ob man die Inhalte der entsprechenden Lektionen verstanden hat. Je nachdem wie das Ergebnis ausfällt – dies wird am Ende des Tests angezeigt –, kann man nochmals gezielt in den Übungen oder Lektionen wiederholen. Gedacht sind die Tests jeweils am Ende einiger zusammengefasster Lektionen (Lektion 1 bis 4, 5 bis 7 usw.). Auch durch Geräusche – euphorischer Beifall bei richtiger oder ein »Oh« bei falscher Antwort – ist es durchaus motivierend, die Tests durchzuführen.

Instrumente

Unterteilt in die Instrumentenfamilien Saiten-, Blas-, Tasten- und Schlaginstrumente und als Zusatz »kuriose Instrumente« (zum Beispiel Rätsche, Donnerblech usw.), bekommt man hier Basiswissen vermittelt. Zuerst erhält man einen allgemeinen Überblick über die Instrumentenfamilien, anschließend können einzelne Instrumente angeklickt werden, um spezifische Informationen (wie Bau, Tonlage, Verwendung) zu bekommen. Zu jedem Instrument werden – über den »Ohrmuschel-Knopf« – kurze Hörbeispiele aus berühmten Werken geboten – wobei sich das eigentliche Instrument aus dem Synthesizer-Klang heraus oft nur erahnen lässt.MemoryHier kann in sehr spielerischer Art Musikwissen geübt und wiederholt werden. Wieder findet man eine sehr ansprechende Benutzeroberfläche vor: In einem Spielautomaten werden die jeweiligen Memory-Themen präsentiert, die sich natürlich auf die Lektionen-Inhalte beziehen (Akkorde, Intervalle, Noten etc.). Je nach Auswahl öffnet sich bei jedem Spiel ein neues Memory-Design – beispielsweise als klassische Spielkarten, bei den Komponistenköpfen eine passende Bilderrahmengalerie. Fazit: Macht Spaß und dient tatsächlich der Festigung des Wissens.

Möglicher Einsatz der Software

Zu empfehlen ist die Software »MusiXcool« für all diejenigen, die wenig Wissen im Bereich Musik besitzen, dies aber ändern möchten und den Ehrgeiz besitzen, sich in Eigenregie neue Lerninhalte beizubringen. Beispielsweise könnte dies auf Schüler im Instrumentalunterricht oder auch auf Schüler allgemeinbildender Schulen zutreffen, die ihr Wissen privat erweitern wollen bzw. sollen. Es ist tatsächlich geeignet, um bei »Null« zu beginnen – die Erläuterungen sind durchaus einleuchtend und können ja in vielfältiger Weise geübt und wiederholt werden – und dies eben selbstgesteuert und nicht, wie oft bei Musiklernprogrammen, vom Hersteller vorgegeben. Auch Erwachsene, die zwar Grundwissen besitzen, aber dieses ausbauen möchten, auch im Hinblick auf ein »einfacheres Leben« beim Mitspielen in Musikvereinen, Orchestern etc., haben mit »MusiXcool« ein gutes Programm zur Hand, mit dem man sich im Eigenstudium gezielt Wissen aneignen kann.

Da die Hersteller »MusiXcool« auch für den Einsatz im Musikunterricht an Schulen empfehlen, stehen in einem Beilagenheft 20 Arbeitsblätter mit entsprechenden Lösungen zur Verfügung (diese können auf der Homepage als PDF-Dateien heruntergeladen werden). Die Arbeitsblätter sollen vor den »Tests« durchgegangen werden, stellen im Grunde aber nur ein wiederholtes, intensives Durcharbeiten der Lektionen dar. Deshalb sind diese aus Sicht des Musikpädagogen kein Muss, sie können aber ergänzend verwendet werden, wobei sich hier die Frage stellt – auch aus ökologischer Sicht –, ob es notwendig ist, für jeden Schüler 20 Arbeitsblätter zu kopieren, obwohl er die Übungen theoretisch ja am PC üben kann.

Über den Einsatz des Programms im klassischen Schulunterricht kann man sicherlich geteilter Meinung sein: Einerseits ist es für Schüler zweifelsohne motivierend, mit einer Software zu arbeiten, vor allem durch den spielerischen, ansprechenden Aufbau. Die Anbieter schlagen für die Schule auch die Arbeit im Team, also zu zweit an einem PC vor, wobei sich dann die Frage stellt, ob der Lerneffekt tatsächlich bei beiden Schülern erzielt wird.Erarbeitet man den Lernstoff im Schulunterricht stattdessen – so wie auch im Instrumentalunterricht – im »klassischen« Sinne gemeinsam und setzt die Software anschließend ergänzend ein, um zu festigen und zu erweitern, ist der Einsatz von »MusiXcool« auch in der Schule durchaus empfehlenswert – sofern eine entsprechende Anzahl an PCs zur Verfügung steht.

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