Gábor Boldoczki - Über die Notwendigkeit von Bach-Bearbeitungen

Da ist wieder die Frage. Die Frage nach der Notwendigkeit von Bach-Bearbeitungen. Hört man sich die aktuelle CD des ungarischen Trompeters Gábor Boldoczki an, wagt man diese gar nicht zu stellen. Gemeinsam mit dem Franz Liszt Chamber Orchestra, mit dem der junge Boldoczki 2002 auch seine erste CD einspielte, ist hier der Beweis, wie edel Bach in Blech klingen kann.

clarino.print: Warum hast du dich dazu entschieden, eine Bach-CD aufzunehmen?

Gábor Boldoczki: Ich beschäftige mich schon seit langem mit diesem Thema, weil Johann Sebastian Bach wirklich ein ganz großer Meister ist. Ich habe immer die anderen Musiker – etwa die Pianisten – bewundert, dass sie, wenn sie sich einspielen, einfach ein Stück von Bach nehmen können. Die haben ein riesiges Repertoire von ihm mitbekommen. Und ich wünschte mir, auch einmal Bach zu spielen. Er hat leider keine Solokonzerte für die Trompete komponiert, auch wenn er das Instrument in seinen Orchesterwerken sehr gerne besetzt. Trompetenstellen in seinen Messen und Kantaten sind oft groß und auch kompliziert – aber eben leider kein Solo-Konzert. Doch ich kann nun sagen: Es ist ein Traum, sich mit Bach zu beschäftigen und Bach zu spielen. Wenn ich eine CD aufnehmen darf, kann ich diesen Komponisten wirklich etwas tiefer kennenlernen in seinen Werken. Ich wollte nicht nur Johann Sebastian Bach nehmen, sondern auch das große Gegenteil dazu bzw. die Entwicklung davon – mit seinem Sohn Carl Philipp Emanuel Bach. Ich arbeite schon länger mit diesem Thema, doch nun bin ich 34 und dachte mir: Jetzt ist die Zeit gekommen, dass ich diese Musik überhaupt in Konzerten spielen darf. Ich glaube, um Johann Sebastian Bach zu verstehen, braucht man einiges – Zeit, um nachzudenken und Erfahrung mit barocker Musik. Und nun habe ich mich reif gefühlt, es einspielen zu können, ja zu dürfen. Es war eine wunderbare Arbeit.


  • 21.09.2011
  • Porträt
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2011
  • Seite 36-38

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