Franz Straub macht Druck: Marschgabelhalterungen aus dem 3-D-Drucker

Wenn sich Metallblasinstrumentenmachermeister Franz Straub zum Tüfteln in seine Werkstatt zurückzieht, dann nicht, weil er »der neue Daniel Düsentrieb des Instrumentenbaus« sein will, sondern weil er den Musikern das Leben erleichtern möchte.

Und weil es ihn schmerzt, wenn er beispielsweise fabrikneue Waldhörner mit Marschgabelhalterungen aufrüsten soll. In solchen Momenten gerät Straubs Blut in Wallung. Eine Lösung muss her – und zwar eine, die die hochwertige Originalsubstanz der Instrumente nicht in Mitleidenschaft zieht…

Franz Straub Metallblasinstrumentenbau

Franz Straub ist für viele Musiker Vertrauensperson und erster Ansprechpartner, wenn es darum geht, Blechblasinstrumente wieder gangbar zu machen. Seine Fähigkeiten im Bereich der Instrumenteninstandsetzung sind im weiten Radius um Primisweiler bei Wangen im Allgäu und weit über die Bodenseeregion hinaus bekannt – ebenso aber auch seine bei Bedarf schonungslose Ehrlichkeit, wenn er einem Kunden einen Auftrag auszureden versucht.

»Wenn einer mit einer alten, richtig übel zugerichteten Kanne zu mir kommt und diese repariert haben will, sage ich dem klipp und klar, dass das schon möglich ist – er aber wahrscheinlich keine große Freude an diesem zwanghaft reparierten Instrument haben wird. Manchmal steht der Aufwand einfach in keinem Verhältnis mehr zum Ergebnis.

»Klar, machen kann man alles irgendwie«, winkt Franz Straub ab, »aber die Ausführung so mancher Reparatur wäre dem Auftraggeber gegenüber nicht seriös, nicht fair. Ich sage den Leuten dann immer, dass sie lieber einen Bruchteil des Geldes spenden oder ihren Partner schön zum Essen einladen sollen – da ist das Geld besser angelegt.«

Marschgabelhalterungen für Hörner

»In letzter Zeit«, stellt Meister Straub fest, »sind es aber nicht übel zugerichtete Kannen, die mir Kopfzerbrechen bereiten.« Stattdessen stünden reihenweise Hornisten in seiner Werkstatt, die Marschgabelhalterungen montiert haben möchten. »Da habe ich also teilweise neue Hörner für 4000, 5000, 6000 Euro – ohne den kleinsten Kratzer – vor mir liegen. Und das tut mir als Handwerker wirklich in der Seele weh, wenn ich bei so hochwertigen Instrumenten an den Lack ran muss, um eine Halterung anzulöten. Das widerstrebt mir einfach.«

Es ist ja eine Grundsatzfrage: Warum werden Waldhörner von den Herstellern bis dato ohne Notenhalterkästchen geliefert? Straub erklärt: »Die Hersteller argumentieren, das Waldhorn sei ein Orchesterinstrument – und mit einem Orchesterinstrument mache man keine Marschmusik bei Umzügen.

Doch die Realität sieht heute einfach anders aus, weil die Waldhornregister in den Musikvereinen erstarkt und durchwegs gut besetzt sind.« Fakt ist: Die Waldhörner sind zuhauf da – die Notenhalterkästchen fehlen.

  • 25.04.2017
  • Schwerpunktthema
  • Christian Mayr
  • Ausgabe: 5/2017
  • Seite 35-37

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