Franco Hänle im Gespräch: Keine Angst vorm Schlagwerk!

  • 29.05.2017
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 6/2017
  • Seite 32-34

»Gute Musik entsteht aus dem Moment heraus« – das ist die Grundlage von Franco Hänles Arbeit als Dirigent. Seit 2005 vermittelt er den Musikern der Stadtkapelle Ulm, dass nicht alle Details einer gelungenen Interpretation vorher schon genauestens definiert werden können, sondern immer abhängig sind von Zeit, Atmosphäre, Raum und Emotion.

So entstehen durch wachsames und leidenschaftliches Musizieren Momente, die den Zuhörer berühren und für Gänsehaut sorgen. Wir sprachen mit Hänle über das Dirigieren und das Schlagwerk – er kennt beide Seiten bestens.

»Wenn es für ein ›richtiges‹ Instrument nicht reicht, spielst du halt Schlagzeug!« Ist dieser »witzige« Ausspruch immer noch zu hören? Bzw. wird die Arbeit der Schlagwerker immer noch unterschätzt? Was sind Ihre Eindrücke?

Längst überholte Klischees gibt es in der Musik natürlich im Überfluss, aber ich denke, dass heutzutage eigentlich jeder weiß, wie vielseitig und anspruchsvoll das Orchesterschlagwerk ist. Natürlich steckt aber hinter jedem Klischee auch ein Fünkchen Wahrheit, und so gab es auch immer wieder gesundheitlich bedingte Situationen, durch die ein Bläser zwar nicht mehr imstande war, sein Instrument zu spielen, aber immerhin eine neue Heimat im Schlagwerkregister finden konnte. Ich habe hier in der Vergangenheit sowohl negative als auch positive Beispiele kennengelernt, pauschal lässt sich aber nicht sagen, ob es funktioniert.

Unterschätzt vielleicht auch der Schlagwerker seine eigene Arbeit? Was muss/sollte er können, um im Ensemble mitspielen zu können?

Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Grundsätzlich sollte ja jeder, der in einem Orchester mitspielt, eine musikalische Seele mitbringen, sonst kann man nicht wirklich was damit anfangen. Beim Schlagwerk ist es aus meiner Sicht wichtig, dass eine grundlegende motorische Begabung vorhanden ist.

Mich überrascht es nicht, dass Schlagwerker oft auch sehr gute Hobbysportler sind, da motorische Begabung und motorisches Training hier beiderseits im Vordergrund stehen. Ein besonderes Merkmal ist aber bei den Schlagwerkern, dass jeder in seiner Funktion als Solist im Orchester spielt.

So ein »Durchschummeln« wie gelegentlich an der 3. Klarinette ist einfach unmöglich, und so braucht jeder Spieler auch einen gewissen Grad an Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, um als Solist bestehen zu können, unabhängig davon, ob es sich um die Triangel oder das Drumset handelt.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Das Schlagwerk: Alles Hinterbänkler?":

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