Fragen Sie Professor Malte Burba

Aus der Fülle der Fragen, die Malte Burba immer wieder erreichen, greifen wir jeden Monat einige heraus, die alle interessieren könnten. Wenn Sie eine Frage haben, die auf dieser Seite beantwortet ­werden soll, dann mailen Sie an: burba@clarino.de

Warum spielen Sie eigentlich keine Trompete mit Drehventilen?

Jede Bauweise hat Vor- und Nachteile, und für meine Anwendungen überwiegen ganz einfach die Nachteile. Die deutsche Trompete erleichtert das Spiel im Legato und eine weniger gute Fingertechnik kann durch den Drehventilmechanismus leicht kaschiert werden. Im Orchester mischt sich der Klang besser, trotzdem kann sie strahlen, ohne allerdings penetrant heraus­zustechen. Ergonomisch ist hingegen die Verbindung vom Spieler zum Instrument weniger vorteilhaft, weil Mundrohr, die Halte- und die Griffhand auf jeweils verschiedenen Ebenen verlaufen. Die Kürze des Mundrohrs, das ja im Gegensatz zur Périnet-Trompete in das erste und nicht in das dritte Ventil mündet, erschwert die Ansprache im hohen Register und der Klang ist eben nicht so durchdringend. Die vergleichsweise kleine Bohrung der deutschen Bauart in Verbindung mit einem größeren Schallstück trägt auch noch wesentlich zu den unterschiedlichen Klang- und An­sprache­eigenschaften bei. Das einhändige Spiel, um beispielsweise Dämpfer zu wechseln oder ein Mischpult zu bedienen, ist über längere Zeit nahezu unmöglich. Das entscheidende Kriterium ist schlussendlich, dass der Weg, den die Finger zurück­legen müssen, um das Ventil herunterzudrücken, zwar kürzer ist als bei einem Périnet-Instrument, da aber diese Bewegung erst in eine Drehbewegung umgewandelt werden muss, wesentlich langsamer vonstatten geht: Man kann also nicht so schnell spielen.

  • 26.05.2014
  • Praxis
  • Ausgabe: 6/2014
  • Seite 11

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