Flötist Thomas von Lüdinghausen - Überholspur trifft Basis

Eine Musikerkarriere, die war ihm nicht von vorneherein in die Wiege gelegt. Doch die Musik nahm mit fortschreitendem Lebensalter mehr und mehr Besitz von ihm und beschert ihm bis heute immer wieder neue Perspektiven und Herausforderungen: Thomas von Lüdinghausen, Soloflötist in Diensten der Stuttgarter Philharmoniker.

»In meiner Familie hatte ich keine musikalischen Vorbilder. Mein Vater war Marine-Offizier, mein Mutter Lehrerin für Biologie und Sport. Es verschlug meine Familie aus dem Rheinland nach Cuxhaven. Mein erster bewusster musikalischer Kontakt war, als meine ältere Schwester in der Schule begann, in einem Blockflötenkreis zu spielen. Da bekam ich zu Weihnachten auch eine Blockflöte geschenkt und machte mich im Alter von sechs Jahren zunächst einmal autodidaktisch ans Werk. Als meine Cousine anfing Querflöte zu spielen, habe ich dann den Wunsch geäußert, dass ich das auch gerne probieren würde. Und da war ich immerhin schon 13 Jahre alt.«

Und es ging prima los. Mit Lust und Begabung hatte er erstaunlich schnell gute Fortschritte gemacht, aber natürlich noch keine Ambitionen, die Querflöte einmal zu seinem Beruf zu machen. Er spielte im Musikschulorchester und wurde auch bald schon zu Auswahlorchestern wie dem regionalen Jugendorchester »Elbe-Weser« oder dem Niedersächsischen Jugendsinfonieorchester eingeladen. »Bei diesen Arbeitsphasen habe ich schon ab und an angefangen zu träumen, später mal Orchestermusiker zu sein. Die Zeit mit diesen ­Orchestern hat mich immer völlig begeistert. Die Gemeinschaft, die Musik, die Reisen – das waren Erlebnisse, die bis heute lebendig sind!«

Auf der Überholspur in die Berufswelt

»Aber ich war damals alles andere als ein Überflieger. Vor den Aufnahmeprüfungen hatte ich sehr großen Respekt und war mir sehr unsicher, ob es mir überhaupt gelingen könnte, einen Studienplatz zu bekommen. Aber ich wollte es wissen und habe mich sehr entschlossen in der Tat an so ziemlich allen Hochschulen beworben. Zum Glück hatte ich schon sehr bald eine erste Zusage.«

Als ein noch größeres Glück erachtet er, bei Prof. Robert Aitken in Freiburg studiert haben zu dürfen. Für ihn ist Aitken einer der ganz großen Flötisten unserer Zeit. Die Leistungsdichte der Freiburger Querflötenklasse empfand er als sehr stark und das motivierte ihn, sich mächtig ins Zeug zu legen. »Ja, ich war morgens, wann immer es ging, schon um 7.30 Uhr, als die Türen aufgeschlossen wurden, zum Üben in der Hochschule. Wenn es gut lief, hatte ich mittags schon vier Stunden geübt. Es gab Zeiten, in denen ich kontinuierlich acht Stunden täglich übte.«<xml></xml>

  • 25.03.2015
  • Szene
  • Renold Quade
  • Ausgabe: 4/2015
  • Seite 60-63

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