Final Symphony: Thomas Böcker über Musik in Videospielen

In Japan sind Spielekonzerte der Renner. Und auch in Europa bekommen diese Veranstaltungen, in denen Musik aus Videospielen dargeboten wird, immer mehr Zulauf. Ist das sozusagen die Rückkehr aus der digitalen in die analoge Welt? Wir sprachen mit Thomas Böcker, dessen Konzept im Frühjahr auf Tour geht.

CLARINO: Wie sieht solch ein Konzert eigentlich aus? Wie ein »normales« Konzert oder spielen Sie mit der audiovisuellen Wahrnehmung? Sprich: Werden Sequenzen auf Leinwänden dargestellt?

Thomas Böcker: Im Bereich Spielemusik existieren unterschiedliche Konzepte – bei meinen Veranstaltungen habe ich mich bewusst dafür entschieden, auf Leinwände zu verzichten. Deren Ablauf ist an klassische Konzerte angelehnt, mein Team schreibt Tondichtungen, Klavierkonzerte und Sinfonien, die Themen der Spiele aufgreifen und weiterentwickeln. Der Fokus liegt auf der Musik und den Musikern.

Was ist Ihre Aufgabe als Produzent?

Die Welttournee »Final Symphony – Music from Final Fantasy« war meine Idee, ich schrieb das Konzept, verhandelte mit dem japanischen Lizenzgeber Square Enix und stellte für die Umsetzung ein internationales Team zusammen, das ich koordinierte. Wir diskutierten die künstlerische Umsetzung, ich trug das unternehmerische Risiko als Produzent wie auch als Veranstalter; ich war und bin in jeden Aspekt von »Final Symphony« involviert.

Heute tritt vornehmlich meine Agentur, Opus 3 Artists Berlin, an Orchester weltweit heran, um eine Zusammenarbeit zu ermöglichen. Kooperationen schließen führende Klangkörper wie das London Symphony Orchestra, die San Francisco Symphony, das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra oder das Hong Kong Philharmonic Orchestra ein.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Musikern und Dirigenten aus?

Die Herausforderung bei »Final Symphony« ist es, dass involvierte Künstler ein breites Spektrum Können mitbringen müssen. Vereinfacht gesagt: Ein Dirigent muss einerseits aufgeschlossen einem neuen Gebiet gegenüber sein und Crossover-Projekte nicht ablehnen, sondern mit aller Leidenschaft unterstützen, andererseits aber genauso Sinfonien von Mahler und Schostakowitsch zur Aufführung bringen können. Will heißen: Unsere Musik ist vergleichsweise komplex und will interpretiert werden.

Welches der Spiele haben Sie selbst schon gespielt? Beziehungsweise, sollte man die Spiele kennen, wenn man die Konzerte produziert?

Für »Final Symphony« haben mein Team und ich Monate mit Recherchen verbracht. Dazu gehörte es, die Titel anzuspielen, auf YouTube sogenannte Walkthroughs anzuschauen (das können pro Spiel gut und gern mehr als 50 Stunden sein), Rezensionen auszuwerten – und natürlich die Musik zu analysieren. Welche Stücke haben eine besondere Relevanz für die Fans? Welche Szenen werden als wichtig erachtet, welche haben sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt?

Das PDF enthält alle sieben Artikel des Schwerpunktthemas "Musik und Medien: Kultur vs. mediale Ignoranz": 

  • 03.01.2018
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 1/2018
  • Seite 38-41

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