ferrer ferran - ein spanier dirigiert im winterlichen oberschwaben

Irgendwie ist er überrascht. Und zwar nicht nur in einer Hinsicht. Denn so kalt das Wetter in Biberach ist, so heiß sind die Musiker/innen seines Auswahlorchesters auf die Arbeit mit ihm als spanischem Erfolgskomponisten und -dirigenten. Ferrer Ferran friert zwar und vermisst seine südliche Sonne, die auch im Winter niemals aufgibt. Aber der Eifer, mit dem das Blasorchester »Südwind« sich stundenlang seiner Musik widmet und seiner vorwiegend nonverbalen Anleitung folgt, ist dem eher kleinen und kompakten Spanier fast ein wenig unheimlich. Gefallen findet er auf jeden Fall an diesem Überschwang, wenngleich er schon sehr erleichtert ist, als sich endlich die Piccolospielerin Andrea Winter als Fremdsprachenkorrespondentin outet und ihren Kolleg(inn)en zuruft: »Ihr sollt mal leiser spielen. Er kriegt die Krise, weil das alles viel zu laut ist.« So, jetzt klappts perfekt.

Sie haben schon mit illustren Dirigenten zusammengearbeitet, seit »Südwind« 1999 von Musikern aus dem oberschwäbischen Raum aus der Taufe gehoben wurde als Möglichkeit, überregional mit Gleichgesinnten zu musizieren. Die Erfahrungen, die bei der alljährlichen Arbeit mit international renommierten Dirigenten gesammelt werden, sollten letztlich der eigenen musikalischen Arbeit zugute kommen. Das Orchester probt phasenweise an je zwei Wochenenden und möchte durch seine Konzerte das kulturelle Angebot in Oberschwaben bereichern. Douglas Bostock aus Großbritannien, Toshijuki Shimada aus Japan, Pierre Kuijpers aus Holland, Felix Hauswirth aus der Schweiz, Ronald Johnson aus den USA und Terrie Odd Lysebo aus Norwegen waren schon zu Gast. Für Volker Frank, Schriftführer des 2001 gegründeten Fördervereins und (Bass-)Klarinettist im Orchester, läuft die Entwicklung in jeder Hinsicht glänzend: »Am Anfang mussten wir uns umsehen nach geeigneten Dirigenten und lange erklären, worum es geht – heute bekommen wir Anfragen oder eine unumwundene Antwort: ›Südwind? Hab ich schon gehört. Ja, das mach ich gerne.‹«

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Uschi Mohr
  • Ausgabe: 4/2005
  • Seite 10-11

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