Familienduett: Matthias und Tillmann Höfs

Dass Väter und Söhne miteinander musizieren, kommt in den besten Familien vor. Der Trompeter Matthias Höfs und sein Sohn, der Hornist Tillmann Höfs, ­taten das kürzlich anlässlich der Uraufführung eines Werks von Wolf Kerschek. Beide Musiker haben jüngst übrigens fast gleichzeitig einen neuen Tonträger herausgebracht. Zunächst noch jeder für sich. Zum Interview trafen wir sie in Hagen, wo am Abend ein weiteres gemeinsames Konzert auf der Agenda stand.

Sie haben jüngst beide eine neue CD veröffentlicht. Tillmann Höfs, warum sollte man sich das Album »Kind of Gold« von Matthias Höfs eigentlich zulegen?

Tillmann Höfs: Die CD »Kind of Gold« ist insofern sehr besonders und setzt sich dadurch sehr ab, als es ein sehr spezielles ­Repertoire für eine besondere Besetzung ist. Mein Papa hat dort Stücke und Besetzungen gewählt, die seinem liebsten Alltag entsprechen. Er hat seine komplette Trompetenklasse – nicht nur die aktuelle, sondern auch verschiedene Generationen – auf dieser CD versammelt, zusammen mit dem Hochschulorchester Hamburg und weiteren Blechbläserfreunden. 

Dass ein solches Projekt, eine ganze CD mit so einem Repertoire und dann noch auf diesem Niveau stattfinden kann, finde ich sehr bewundernswert. Es ist ein sehr spezielles Programm. Allein die »Festmusik der Stadt Wien« von Richard Strauss ist schon sehr besonders. Ich würde die CD uneingeschränkt empfehlen, absolut. (lacht)

Matthias Höfs, hätte er sie auch kritisieren dürfen?

Matthias Höfs: Ja, auf jeden Fall! Da sind wir uns selber gegenseitig die besten Kritiker. Tillmann sagt durchaus schon mal: »Papa, das kannst du nicht machen.« Oder: »Warum probierst du nicht so was mal?« Wir Musiker sind ja eigentlich immer dankbar, wenn uns jemand ehrlich kritisiert. 

Heutzutage ist das gar nicht so einfach, eine ehrliche, unabhängige Meinung zu ­bekommen. Von daher ist es wunderbar, in einer Musikerfamilie zu leben und sich gegenseitig schonungslos Dinge sagen zu können. Solche Kritik weiß man auch anders einzuordnen als Kritik von außen. Kritik aus »unseren Reihen« ist immer sehr konstruktiv und willkommen. 

Und warum sollte man sich die CD »Air« von Tillmann Höfs zulegen?

Matthias Höfs: Es ist immer schwer, wenn der Vater seinen Sohn über den grünen Klee loben soll. Deshalb bin ich da ein bisschen gehemmt, ehrlich gesagt. Aber eine Debüt-CD hat immer etwas Besonderes, und gerade diese CD, die ihren Ursprung im Deutschen Musikwettbewerb hat, ist insofern was ganz Besonderes, weil eben nicht nur die CD im Vordergrund steht, sondern automatisch auch der Preis, der damit gewürdigt wird. Wenn man als Blechbläser und als Hornist diesen Preis ­gewinnt – im Falle des Horns erstmals seit 33 Jahren –, dann ist das allein schon eine besondere Auszeichnung. 

Diese Debüt-CD hat etwas Spezielles, weil damit keine Marketing-Strategien verfolgt werden. Was verkauft sich am besten? Welches Repertoire ist gerade angesagt? Diese Fragen spielten keine Rolle. Es geht darum, eine persönliche Visitenkarte abzugeben. 

Das ist sehr gut gelungen, weil das Album ein sehr umfangreiches Spektrum abdeckt – von romantischer Hornmusik bis hin zu zeitgenössischen Klängen. Damit wird zudem die Vielseitigkeit des Hornisten Tillmann Höfs so dargestellt, dass die CD unbedingt hörenswert ist. Soweit ich das als Vater sagen darf. (lacht) 

  • 09.01.2019
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 12/2018
  • Seite 38-41

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