"Estampie" von Bernhard van Beurden

  • 20.11.2013
  • spielBAR
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 12/2013
  • Seite 66-68

»Estampie« ist keine Original­komposition, sondern eine freie Bearbeitung von Tanzmelodien aus dem Mittelalter, was das Stück durchaus für eine Auf­führung mit (historisch gewandeten) Tänzern geeignet er­scheinen lässt. 

Im Werkkatalog des 1933 geborenen Bernard van Beurden finden sich mehrere Versionen, unter anderem für Wind En­semble (zu hören auf der CD »Werken van Bernard van Beurden« und instrumentiert für 13 Bläser, Pauken und Schlagzeug; auf diese Fassung beziehen sich auch die Notenbeispiele), großes Blasorchester, Fan­fareorchester, aber auch beispielsweise für Akkordeon-Quintett (auf YouTube »bernard van beurden medieval dances« in die Suchzeile eingeben). Die ursprüngliche Fassung von 1978 wurde 1992 revidiert und ist im Amsterdamer Musikverlag Donemus erschienen. Widmungsträger ist der niederländische Dirigent Arie van Beek, der unter anderem Johan de Meijs Ideengeber für die Sinfonie »Der Herr der Ringe« war. Er lei­tete auch die oben genannte CD-Auf­nahme mit dem Blasorchester des Rotterdamer Konservatoriums.

Geht man von den gotischen Wurzeln des altfranzösischen Namens »Estampie« aus, dann bedeutet er vermutlich »Stampftanz«. Die »Estampie« war seit dem späten 12. Jahrhundert bei den Troubadours verbreitet, sowohl als höfisches Tanzlied wie auch als Instrumentalstück. Ein zeitgenössisches Ensemble aus München, das sich der Musik des Mittelalters widmet, ist nach diesem Tanz benannt, ebenso wie je eine mit entsprechenden stilistischen Anleihen gestaltete Komposition für Blasorchester der Amerikaner Václav Nelhýbel (1919 bis 1996) und William Francis McBeth (1933 bis 2012).

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