ernst hutter und toni scholl - über das "mentale abschieben"

Toni Scholl ist noch ein wenig frustriert vom Abend zuvor. Mit dem Polizeimusikkorps Baden-Württemberg, das er als Dirigent leitet, hatte er bei der "Volkstümlichen Hitparade" mitgemacht: "Wir waren die Einzigen, die live spielten - ich sogar mit einem Alphornsolo. Alle anderen waren auf Vollplayback. Sogar bei der Zugabe. Wo wir bei der Platzierung landeten, muss ich nicht sagen, oder?" Ein Tässchen Milchkaffee hilft. Und als Freund Ernst Hutter zu uns stößt, kommt die Welt wieder ins Lot.

Schließlich braucht Scholl dem nichts zu erzählen. Die beiden Profimusiker kennen das Business, können zusammen über den Humbug lachen, den sich die Musikfreunde vor dem Bildschirm oder gar bei Konzerten oft andrehen lassen, und wissen genau: "Diese Auswüchse der Luxusmusik verlieren langsam ihr Publikum." Schließlich: "Wer will schon 40 Euro für ein Vollplayback-Konzert hinblättern?" Mit guter Musik für gutes Geld können Scholl und Hutter dienen. Sie stehen am laufenden Band vor Publikum. Ernst Hutter an besagtem Horrorabend von Toni Scholl mit der Stuttgarter SWR-Bigband.

 

  • 21.09.2011
  • Uschi Mohr
  • Ausgabe: 2/2003
  • Seite 40

« zurück