Erfüllt allerhöchste Ansprüche - Miyazawa-Flöte »BR-958-2REH«

Profimusiker, die in einem Orchester in Lohn und Brot sind und ihr Instrument seit Jahren spielen, lassen sich oft nur mit größter Mühe von anderen Fabrikaten überzeugen. Sicher, sie kennen und (gelegentlich) schätzen »fremde« Instrumente, doch wechseln? Niemals. Auch unser Tester Olivier Tardy, Flötist beim Bayerischen Staatsorchester in München, hat das nicht gemacht. Doch die Flöte BR-958-2REH-442S der Firma Miyazawa hätte er sofort mit in den Orchestergraben genommen.

Zum Testen lag eine Miyazawa-Flöte »BR-958-2REH« in der Stimmung von 442 Hz vor. Der spontane Wohlfühlfaktor des Testers in den Katakomben der Münchner Oper war geradezu greifbar. In der tiefen Lage fühlte Olivier Tardy sich ebenso wohl wie in der Höhe. Stakkato-Klänge gingen dem Flötisten ebenso leicht über die Lippen. Extrem kurz war die Eingewöhnungszeit. Vom ersten Ton an wusste der Tester, dass er da ein wirkliches Profi-Instrument in den Händen hielt.Doch selbst ohne einen Ton zu spielen, wird das beim Blick auf die Ausstattung des Instruments deutlich. Schon das luxuriös anmutende Echtholzetui ist edel. Doch das Etui ist alles andere als Blendwerk – es macht nur noch Lust auf mehr.Die Flöte ist handgemacht und aus solidem Britannia-Silber gefertigt. Zwar ist Sterling das unangefochtene Material der Musiker (weil Silber sehr flexibel einsetzbar ist und der Ton durch und durch brillant und obertonreich ist), doch Britannia ist noch eine Spur edler. Dieses Material hat nämlich einen Silbergehalt von 95,8 Prozent (Sterling hat 92,5 Prozent). Britannia liefert noch mehr Obertöne und Projektion als Sterling-Silber. Der Hersteller betont, dass das Material »gerade noch hart genug« sei, um es ordentlich verarbeiten zu können.

Die Tonlochkamine sind aufgelötet. Diese werden einzeln angefertigt und an exakter Stelle von Hand auf das Rohr aufgelötet. Diese Art der Herstellung bedarf besonders viel Erfahrung. Das restliche Metall an der Innenseite wird entfernt, sodass ein glatter Übergang vom Tonlochkamin zum Rohr übrig bleibt. Generell eignen sich Flöten mit gelöteten Tonlöchern für Flötisten, die mit einem schnellen und kompakten Luftstrom spielen. Die Gefahr der Überforderung des Instruments (»Aufblasen«) wird durch den höheren Blaswiderstand minimiert. Ferner verfügt die Flöte über Offset-G, Klappenfedern aus einer Platin-Legierung, Ringklappen sowie einen H-Fuß inklusive »Gizmo«. Die Polster – die speziell für »handmade«-Flöten konstruiert wurden – werden von der Firma Straubinger geliefert. Diese Polster reagieren kaum auf Unterschiede in der Luftfeuchtigkeit und decken so länger. Sinnvoll sind diese also für Berufsmusiker, die heute in Deutschland, morgen in Asien und übermorgen in den USA spielen. Im Lieferumfang ist zudem Reinigungszubehör enthalten.Zur Ausstattung gehört – und das standardmäßig zu allen Miyazawa-Flöten – das Brögger-System. Dieses System wurde vom dänischen Flötenbauer Johan Brögger konstruiert. Hauptbestandteil seines Systems ist das »Brögger mainline key system«. Die Vorteile sind, dass die gesamte »Brücke«, wie sämtliche anderen Bestandteile, aus einem Teil kaltgeschmiedet ist. Das ermöglicht ein anspruchsvolles Design, erhöht die Festigkeit und Präzision. Die Bewegungen werden über die »Brücken« übertragen. Die Achse bewegt sich nicht, wie sonst üblich, mit den Klappen. Durch weniger Reibung verschleißen die Einzelteile weniger, die Wartung wird leichter. Dazu entfallen die üblichen Stahlstifte, die herkömmliche Mechaniken benötigen.

Die verbesserte Konstruktion im Zusammenspiel mit der minimierten Reibung sorgen für einen schnelleren Klappenlauf und ein unglaublich leichtes Spielgefühl. Es bewegen sich nur die Klappen, die Achse steht still. Der Hersteller verspricht: »So ist der Kopf frei, um sich auf die Musik zu konzentrieren.«Die Brögger-Daumenklappe ist eine zusätzliche Komponente, die das Brögger-System perfektioniert. Die traditionelle Klappe benötigt Blattfedern, die sich auf dem Flötenrohr abstützen. Doch diese verursachen bei jeder Betätigung Reibung und Verschleiß. Die Brögger-Daumenklappe versetzt ein Böckchen. Die Effekte sind vielfältig: Die Achse wird länger und damit stabiler. Die günstigeren Hebelwirkungen minimieren die Gefahr des Klapperns. Der Tester bestätigt, dass die Daumenklappe ein angenehmes Spielgefühl zulässt. Die Mechanik insgesamt bekommt vom Tester ein »summa cum laude«.Ansprache und Klang bekommen vom Tester gute Noten. Die Ansprache ist sehr konkret und bestimmend. Den Klang bezeichnet Olivier Tardy vor allem in der Tiefe »sehr gut«. Der Klang insgesamt ist sehr »voll, dunkel, dicht und – sehr wichtig – homogen«. Schlechte Töne kann der Tester überhaupt nicht ausmachen.

Die Firma Miyazawa bietet eine reichhaltige Auswahl an Kopfstücken verschiedenster Material- und Formkombinationen. Und der Preis einer Miyazawa-Flöte beinhaltet ein für den Spieler passendes Kopfstück. Die vorliegende Flöte wurde mit einem MZ-10 mit durchgängigem Kamin aus 990er-Silber geliefert. Als Alternativen standen dem Tester zudem ein MZ-7 (aus Britannia-Silber), ein MZ-10 (Britannia-Silber mit 14-Karat-Gold-Kamin im »Halo«-Design) und ein MZ-11 (Britannia-Silber mit 990er-Silber-Kamin) zur Verfügung.Das MZ-7 – bis vor etwa einem Jahr das Standard-Kopfstück des Herstellers – besticht durch die leichte Ansprache, hält aber im Klang – besonders in oberen Lagen – mit den anderen Kopfstücken nicht mit. Wobei der Tester einschränkt, dass der Klang ja auch immer individuellen Vorlieben unterliege.

Beim MZ-10 und MZ-11 ist der Kamin nicht, wie traditionell üblich, auf die Platte gelötet, sondern der Kamin so ausgefräst, dass die Platte quasi auf den Kamin gesteckt wird. »Besonders bei Modellen mit Goldkamin wird der Effekt sichtbar«, wie Frank Hammon vom Miyazawa-Vertrieb Deutschland erklärt. »Es ist ein goldener Ring sichtbar, deswegen wird es auch ›Halo‹-Design genannt.« Ein besonderer Vorteil dieser Bauart sei, dass der Luftstrom immer nur das Material des Kamins treffe und nicht, wie üblich, zwei verschiedene Materialien (etwa Goldkamin und Silberplatte). Besonders angetan ist der Tester vom MZ-10 mit Goldkamin. Die Intonation gestattete mehr Obertöne, der Klang erschien noch voller und brillanter.

Fazit:

Die Miyazawa »BR-958-2REH« ist von Anfang bis Ende, von der edlen Verpackung über die durchdachte Ausstattung und die handwerkliche Verarbeitung bis hin zu den musikalischen Parametern, ein echtes Luxus-Objekt. Aber ein bisschen Luxus muss auch mal sein. Natürlich ist das Instrument nicht billig, doch hier bekommt man definitiv etwas fürs Geld – und der Tester wird dereinst vielleicht doch einmal die Oper »Madame Butterfly« mit dem Instrument bestreiten.

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2011
  • Seite 28-29

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