Ensembleleitung Blasorchester in Oberösterreich

Die Dirigenten-(Grund-)Ausbildung für Blasorchester im Bundesland Oberösterreich ist bereits seit fast 30 Jahren im Oberösterreichischen Landesmusikschulwerk verankert. Zurzeit absolvieren den Kurs »Ensembleleitung Blasorchester« (kurz EBO) auf die vier Lehrgangsjahre bzw. acht Semester verteilt insgesamt 233 Schüler. Eine enorme Zahl, wenn man bedenkt, dass es im Oberösterreichischen Blasmusikverband (OÖBV) insgesamt 478 Mitgliedskapellen gibt. Mit dem OÖBV sowie mit der oberösterreichischen Bläserakademie und der Militärmusik Oberösterreich gibt es eine enge Kooperation.

Nebenberufliche Ausbildung mit Thomas Doss

Der Kurs EBO ist als nebenberufliche vierjährige Ausbildung angelegt. Der Unterricht wird an 15 Landesmusikschulen über Oberösterreich verteilt angeboten. Ein neuer Kurs kann bereits ab acht Anmeldungen bei der jeweiligen Landesmusikschule starten.

Um jedem den Eintritt in die Ausbildung zu ermöglichen, gibt es für das erste Semester keine Aufnahmeprüfung. Außerdem liegt dem Ausbildungssystem die (subventionierte) Gebührenordnung des Landesmusikschulwerks zugrunde.

Die Gesamtkoordination sowie die inhaltliche und konzeptionelle Entwicklung liegt seit nunmehr 13 Jahren in den Händen des Pädagogen, Dirigenten und Komponisten Thomas Doss. Er ist der Ansprechpartner für insgesamt zwölf Kollegen im Team und gleichzeitig das Bindeglied zwischen der Ausbildung und der Landesmusikdirektion bzw. dem Landesmusikschulwerk, also dem Arbeitgeber der insgesamt 13 Lehrkräfte.

Ausdauer und Konsequenz

Der Aufwand für die Schüler ist nicht unerheblich. Obligatorisch sind wöchentlich drei Stunden Unterricht in Theorie und Praxis plus regelmäßige Lehrproben und zusätzliche Workshops mit Spitzenreferenten. Hinzu kommt noch Unterricht am Haupt- und einem Tasteninstrument.

Da es keine Aufnahmeprüfung gibt, ist die Ausbildung für alle zugänglich. Und die Beteiligten werden genau da abgeholt, wo sie stehen. Es gibt es jedes Jahr eine Zwischenprüfung in Theorie und Praxis für das Vorrücken in die nächste Lehrgangsstufe. Nach dem ersten, spätestens nach dem zweiten Jahr haben die Kurse in der Musiktheorie das Niveau einer Aufnahmeprüfung einer Musikhochschule erreicht.

Aufgrund der Prüfungen (für die gewisse Kriterien erfüllt sein müssen) und des fordernden wöchentlichen Unterrichts braucht man großes Durchhaltevermögen neben Beruf und Alltagsleben. Es gibt gewissermaßen eine »natürliche Auslese«. Thomas Doss schätzt die Abbrecher-Quote auf etwa 30 bis 40 Prozent vom Einstieg bis hin zum Abschluss.

»Die Personen, die den Kurs erfolgreich zu Ende bringen, haben neben den Fachkenntnissen aber auch menschliche Qualitäten wie Ausdauer und Konsequenz bewiesen, die zur Leitung eines Musikvereins nützlich sein können. Die gesamte Ausbildung ist nicht nur musikalisch wertvoll, sondern vor allem auch ›charakterbildend‹.« Dies ist laut Thomas Doss so gewollt.

Das PDF enthält alle vier Artikel des Schwerpunktthemas »Der Dirigent: Lenker, Leiter, Steuermann«:

  • 09.10.2018
  • Schwerpunktthema
  • Alexandra Link
  • Ausgabe: 10/2018
  • Seite 35-37

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