Enrico Olivanti: Wanderer in den musikalischen Welten

Jeder Dirigent der sinfonischen Blasmusik wird sofort hellhörig, wenn ihm ein Komponist begegnet, der – nicht primär der Bläserszene entstammend – sich mit dem klanglichen und dramatischen Reichtum einer großen Bläserbesetzung auseinanderzusetzen bereit ist.

Auf Enrico Olivanti wurde ich aufmerksam, nachdem ich mit den Bläsern des Landesjugendsinfonie-Orchesters Sachsen ein Werk dieses Komponisten einstudieren durfte. Seine Tonsprache war sehr expressiv, in Faktur und Duktus durchaus überschaubar und durch heterogene Gestaltungsmittel sehr vielseitig.

Daraufhin lag es für alle Verantwortlichen der Dresdner Bläserphilharmonie nahe, den Komponisten um ein neues Werk anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Orchesters zu bitten. Olivanti war sofort fasziniert, ein substanziell tiefgreifendes Werk für groß besetztes Bläserorchester zu schaffen.

Der Komponist und Gitarrist Enrico Olivanti

Der bisherige künstlerische Lebensweg Olivantis ist bestens geeignet, die in der sinfonischen Bläsermusik üblichen, genre­übergreifenden Stile musikalisch zusammenzuführen. Er wurde am 4. Oktober 1988 in Marino Laziale (Italien) geboren. Er begann als Zwölfjähriger, Gitarre zu lernen. Schon während der Schulzeit studierte er am Saint Louis College of Music in Rom bei Dario Lapenna Jazz-Gitarre, Improvisation, Harmonielehre und Gehörbildung.

Olivanti begann im Jahr 2007 ein Studium in Rom, zunächst Komposition und Filmmusik am Saint Louis College of Music, ab 2010 Komposition und Orchestration bei Alessandro Cusatelli am Conservatorio di Musica di Roma Santa Cecilia, wo er im Jahr 2013 mit Bestnote graduierte.

Während dieser Zeit spielte Olivanti als Gitarrist und Solo-Gitarrist in mehreren Ensembles. 2009 gründete er das Enrico Olivanti Quintet zusammen mit Andrea Verlingieri (Saxofon), Carlo Ferro (Piano), Giuseppe Salvaggio (Bass) und Marco Tardioli (Schlagzeug), mit dem er zwei Alben veröffentlichte.

Seit September 2015 studiert Olivanti mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) bei Thomas Zoller im Masterstudiengang Jazz-Komposition an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Im Jahr 2016 gründete er mit dem Kollegen Philipp Rücker das Tentett KompAkt Ensemble in Dresden.

Er komponiert im Bereich Jazz und Neue Musik für verschiedene Ensembles und Solisten, wie das Kammerorchester Gli Arcadi, das SLMC Chambers Ensemble, das Ensemble Synapsis, das HfMDD Jazz Orchestra, das Ensemble des Freundeskreises der Landesbühne Sachsen, das Landesjugendorchester Sachsen sowie den Pianisten Emanuele Micacchi und den Bajanspieler Samuele Telari.

Die Bedeutung des musikalischen Schaffens

Über sein künstlerisches Schaffen sagt Enrico Olivanti selbst: »Jeden Tag stelle ich mir die Frage über die Bedeutung des musikalischen Schaffens eines Komponisten in unserer Zeit. Bis jetzt habe ich es nicht vermocht, meine Themen nur in einer Stilistik, Ästhetik oder in einem einengenden, quasi allgemeingültigen Gedanken zu realisieren.

Meine Musik ist immer Teil eines geistigen Konzepts, das nicht nur in einer Sichtweise verwirklicht werden kann. Das Komponieren als ›Zusammenfügen‹ (wie es im Lateinischen heißt) wirkt als zentraler Anreiz meines musikalischen Schaffens: bei einem Musikstück ebenso wie bei der Gründung eines Ensembles oder bei der Beziehung zu meinem Publikum während einer Live-Performance. Immer spielt ein komplexes Konzept, das sämtliche Beteiligten einschließt, die wichtigste Rolle des Künstlers und seiner Protagonisten.«

Die angehängten PDF-Dateien sind Notenbeispiele aus Olivantis Werk »Was Zusammen gehört«:

Dateien:

  • 16.02.2018
  • Szene
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 3/2018
  • Seite 46-48

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