ekstase mit bordun - die karriere des antiken instruments aulos

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 2/2005
  • Seite 20-22

Der Aulos (»langes Rohr«) war das »Jazz«-Instrument der Antike. Ursprünglich für Trauermelodien gedacht, galt er als die Stimme der Emotion schlechthin: der Melancholie, der Klage und des Schmerzes, aber auch der Begeisterung, des Übermuts und der Ekstase. Bei den Hütern von Sitte und Ordnung stieß die heulende Schalmei allerdings auf Skepsis.

Der Philosoph Pythagoras empfand den Aulos-Ton als zu ausgelassen, der Staatsmann Alkibiades verbannte sogar vorübergehend das Aulosspiel aus Athen, und auch die Schule des Sokrates hielt die »klagenden« Tonarten des Aulos für unangebracht. Wenn Platon den idealen Stadtstaat beschreibt, stellt er nur rhetorisch die Frage: »Und nun gar Aulosmacher und Aulosbläser, wirst du sie etwa in der Stadt dulden?« Natürlich nicht! Auch Platons Schüler Aristoteles vermisst beim Aulos das ethisch-erzieherische Moment, fürchtet vielmehr seine aufreizende und enthemmende Wirkung. Noch die römischen Dichter wie Lukrez, Catull und Horaz beschreiben das Aulosspiel als »bakchisch« und »voll Raserei«.

 

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