Einspielen im Blasorchester: sinnvoll oder nicht?

  • 02.05.2016
  • Praxis
  • Sven Risse
  • Ausgabe: 5/2016
  • Seite 12-14

Von Null auf Hundert in unter fünf Sekunden? – Davon können nur die Sportwagenfahrer unter uns träumen. Doch ist es überhaupt erstrebenswert, aus dem Nichts eine solche Leistung abzurufen? Bedarf es nicht auch zum Aufstellen neuer Geschwindigkeitsrekorde einer Vorbereitung? Eines sollte jedenfalls klar sein: Mit einem Kaltstart lassen sich solche Werte nicht erzielen.

So ist es auch in der Musik. Kann sich das Motto »Hinsetzen – Anfangen« noch behaupten oder ist für ein erfolgreiches gemeinsames Musizieren nicht auch eine angemessene und zielführende Vorbereitung entscheidend? Wie sinnvoll ist es also, vor der Probe oder einem Auftritt ein Blasorchester einzuspielen?

Warum einspielen?

Das Einspielen eines Blasorchesters war, ist und wird immer ein Diskussionspunkt sein, an dem sich die Geister scheiden. Ist es für die einen eine mühselige, langweilige Quälerei, fühlt sich der andere erst durch das Einspielen in die richtige Stimmung für ein gemeinsames Musizieren versetzt. Dies hat unter anderem mit der unterschiedlichen Herangehensweise an die Musik, die wir machen, zu tun. Während das Hobby für einige Musiker eine Art Ventil darstellt, über das sich der Druck von Alltag, Schule und Arbeit regulieren lässt und bei dem sie nicht noch unnötig viel gefordert werden möchten, stehen auf der anderen Seite Musiker, für die eine Förderung wichtig ist und die an ihrer eigenen musikalischen Fortbildung interessiert sind.

Das Einspielen im Blasorchester muss beide Seiten berücksichtigen. Es stellt eine Möglichkeit dar, verschiedene Musiker auf eine ähnliche Basis zu bringen, die ein gemeinsames Musizieren erst ermöglicht. Denn ohne diese Grundlage würde sich schnell ein Gefühl der Unter- bzw. Überforderung einstellen, das sich auch auf das Orchesterspiel auswirken kann. Neben der gemeinsamen Basis, die durch das Einspielen geschaffen wird, verbirgt sich jedoch viel mehr hinter dem vermeintlich bloßen Spiel einer »klingenden B-Dur-Tonleiter«.

Wie ein Sportler, der einem Wettkampf entgegenblickt, seinen Körper auf die Anstrengungen durch stetiges Training und Aufwärmen vorbereitet, so muss auch jeder einzelne Musiker seinen Körper auf das gemeinsame Musizieren und die geforderte musikalische Leistung vorbereiten. Diese Aktivierung des Körpers sollte nach Möglichkeit in den wichtigsten Bereichen, die für das Musizieren benötigt werden, erfolgen. So bedarf es Übungen für die ­Atmung, die Hände bzw. Finger und die Lippen bzw. Zunge. Aber auch kognitiv sollte sich ein Musiker auf die zu leistenden Arbeiten vorbereiten können.

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