Eine clevere Idee - Das Altsaxofon "Junior Serie II" von MTP

  • 27.08.2014
  • Test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2014
  • Seite 66-68

Alle Jahre wieder fragen sich viele Eltern zum Schuljahres­beginn, ob ihr Kind ein Instrument erlernen soll – und, wenn ja, welches. Das riesige Angebot, das von Akkordeon bis Zither ­alles beinhaltet, macht die Entscheidung für die Eltern nicht eben leichter. Ein Punkt, der zur Entscheidungsfindung noch bis vor wenigen Jahren erheblich beigetragen hat, lag in den ­körperlichen Voraussetzungen bzw. anatomischen Hindernissen des Kindes. Heute müssen Kraft, Größe oder Fingerspannweite kein Hindernis mehr für das ­gewünschte Instrument sein.

Die meisten Blasinstrumente sind aus ihrer Entstehungsgeschichte heraus für Erwachsene konzipiert. So ist es nicht verwunderlich, dass etwa Gewicht und Abmessungen für Kinder oft nicht oder schlecht zu »verkraften« sind. Es bieten sich mehrere Möglichkeiten an, dem Problem zu begegnen: warten, bis das Kind kräftig genug ist, das Instrument tragen zu können, oder mög­licherweise körperliche Schädigungen in Kauf nehmen – was sicher die schlechtere Variante ist. Oder aber man wendet sich Möglichkeit Nummer 3 zu: Viele Hersteller nämlich bieten mittlerweile eine fast unüberschaubare Fülle von Instrumenten an, die in Gewicht und Dimensionen für Kinder­hände gedacht sind. Was mit ge­bogenen Flöten-Kopfstücken begann, hat sich mittlerweile auf alle Instrumentengruppen ausgedehnt und auch ehemals klassische »Erwachsenendomänen« erreicht, wie beispielsweise die Tuba.

Probleme mit der Spannweite im Bereich der Hände, also quasi »zu kurze Finger«, ­betreffen auch die Nachwuchsaxofonisten. Manche Griffkombinationen können mit Kinderhänden nicht erreicht werden. Oder aber es kommt das Pro­blem auf, dass die Arme noch »zu kurz« sind, ein gleichzeitiges Blasen und Greifen nur unter Anstrengung machbar sind – und darauf kommt es ja nun einmal an.

Während der diesjährigen Frankfurter Musikmesse (2014) stellte Roland Ekle aus Dettenhausen ein neues Altsaxofon vor, das den Modellnamen »JUNIOR Serie II« trug. Ein Einsteigerinstrument, das sich mit verschiedenen Features an jüngere, vor allem kleinere Saxofonisten wendet.

Der Redaktion lag nun ein Exemplar dieser Produktneuheit vor, ­damit wir es einmal genauer unter die Lupe nehmen konnten. Wir konsultierten dazu natürlich einen Fachmann. Guntram Bumiller ist in der Jury mehrerer Wettbewerbe, gibt verschiedene Kurse, unter anderem an der Landesakademie Ochsenhausen, und ist Schulleiter der ­Musikschule Ebersbach/Schlierbach. Er kennt sich also mit dem Thema aus.

»Normalerweise«, erläutert der Saxofonist, »ist das Erlernen des ­Saxofons für ein Kind erst ratsam, wenn die Entwicklung der Zähne, die Körpergröße und vor allem die Größe der Hände es erlauben. Das Einstiegsalter ist daher oftmals 11 bis 12 Jahre.« Das MTP-

»Junior« erlaube es aber nun, dass dank der kindgerechten Mechanik das ­Einstiegsalter jünger sein kann. So sind zum Beispiel – und das ist ein entscheidender Faktor – die Seitenklappen der linken Hand verstellbar. »Ebenso hilfreich dabei ist der beigelegte zweite gekrümmte S-­Bogen – ähnlich wie beim Tenorsaxofon –, der das Saxofon in der Höhe sozusagen verkürzt und somit mit ›kürzeren‹ Armen gespielt werden kann.«

Trotz dieser sinnvollen Ideen dürfe aber nicht vergessen werden, dass das Instrument immer noch etwa zweieinhalb Kilogramm wiegt und der junge Musikant dementsprechend »kräftig« sein sollte. Hier hat der Hersteller insofern Abhilfe geschaffen, als dass im Lieferumfang ein Kreuztragegurt enthalten ist. Damit wird das Gewicht eben nicht nur von der Nackenmuskulatur gehalten, sondern wird auf Schultern und Rücken verteilt.

Der Korpus

»Das Saxofon wirkt handwerklich sehr solide und macht einen wertigen Eindruck. Neben den schon erwähnten Besonderheiten ist die Haptik – eben auch für kleinere Kinder – sehr angenehm, die Fingerauflagen sind rutschfest«, so Guntram Bumiller. Die Mechanik für den kleinen Finger der ­linken Hand ist mit einer ›Wippe‹ aus­gestattet, was sonst nur bei teureren Saxofonen vorzufinden ist. Die Polster sind mit hochwertigen Metallresonatoren ausgestattet.

Die Produktion, erläutert MTP-Chef Roland Ekle, werde »im Auftrag von uns in einer relativ kleinen Fabrik in China hergestellt. Und zwar exklusiv für uns.« Der kindgerechte S-Bogen sei darüber hinaus in Deutschland vermessen und entwickelt worden.

Die S-Bögen

Bemerkenswert ist bei diesem Instrument, dass zwei S-Bögen ­beigelegt sind. Denn im Lieferumfang sind der »normal« gebogene sowie ein kleinerer, gebogener S-Bogen enthalten. Dabei ist letz­terer für kleinere Kinder sehr gut geeignet. Die Kinder fühlen sich sehr wohl mit diesem S-Bogen. Der Standard-S-Bogen erlaubt es, dass auch ein Erwachsener damit spielen kann. Der Clou ist also: das Sax wächst mit! »Beide Bögen«, denkt Bumiller, »haben sicherlich bauartlich bedingt ihre Vor- und Nachteile.«

»Professionelle Saxofonisten wissen«, weiß der professionelle ­Saxofonist, »dass ein guter S-Bogen entscheidend sein kann.« Und hier sei die Ansprache des Instruments mit beiden S-Bögen gut, »der Spieler kann das Instrument sehr leise anspielen, aber auch mit genügend Power – ohne dass das Instrument seinen guten Klang dabei einbüßen würde.

Beim (mitgelieferten) »normalen« S-Bogen fiel dem Tester auf, »dass er in der hohen Lage mehr Widerstand hat und ab e³ ziemlich hoch ist, dabei der Klang weit weniger kräftig ist als in den ­anderen Lagen.« Der gekrümmte S-Bogen sei für ihn der bessere und ausgeglichenere mit der Bemerkung, »dass das a² ›dumpf‹ ist«. Und weiter: »Mit beiden Bögen ist das Saxofon im unteren ­Bereich (d¹, dis¹, cis¹) ziemlich tief, wobei das cis¹ etwas schwer ­anspricht. Die noch tieferen Töne sprechen wirklich gut an und sind auch ebenso in der Intonation zufriedenstellend.«

Der Erfinder des kindgerechten Altsaxofon-S-Bogens ist übrigens Norbert Cermak. Cermak studierte Saxofon und Klarinette an der »Hochschule für Musik Hanns Eisler« in Berlin. Neben dem Grundstudium belegte er die Fächer Jazz und Popmusik.Seit 1984 arbeitet und lebt er in Hamburg als Dozent und Lehrer. Er spielte unter anderem im Orchester Frank Valdor und im Orchester von James Last. Norbert Cermak erfand schon anderes nützliches Zubehör

für Musikinstrumente, etwa den bekannten Saxofon-Ständer »SAXXY«, der mit Erfolg von der Firma König & Meyer (K&M) in ­Lizenz gebaut und vertrieben wird. Im Jahr 2005 bekam Norbert Cermak einen Gebrauchsmusterschutz für den kindgerechten Altsaxofon-S-Bogen, der Kinder ab sieben Jahren den Zugang zum Saxofonspiel erleichtert bzw. ermöglicht. Das Resultat einer langjährigen Zusammenarbeit ist die Entwicklung des MTP-Altsaxofons »Modell JUNIOR II«.

Das Fazit

Guntram Bumiller ist überzeugt: »Das MTP ›Junior Serie II‹ ist eine clevere Idee und ein gutes Saxofon, das Spaß macht. Sicherlich nicht nur für die kleineren Beginner, sondern auch für den schon besseren Spieler.« Guntram Bumiller merkt zudem an, dass das Preis-Leistungs-­Verhältnis (769 Euro UVP) »für mein Empfinden sehr gut ist«. Das mitgelieferte Mundstück lässt sich von Kindern sicherlich gut ­beherrschen und passt zum gesamten Instrument. Der Koffer ist angenehm leicht und mit Rucksackgarnitur versehen.

»Das Saxofon ist eine echte Alternative, das auch namhaften Konkurrenten Paroli bieten kann.«

Der Tester

Guntram Bumiller studierte bei André Legros (München) und Jean-Marie Londeix (Bordeaux). Viele Jahre spielte er beim Saxofonquartett »Saxofourte« und gewann mit diesem den »Premio Gaetano Zinetti«. Er unternahm als Stipendiat des »Podiums junger Künstler« Konzertreisen nach Syrien und den Libanon, trat bei den bekanntesten Festivals auf und spielte mehrere CDs ein. Er spielt bei verschiedenen Kammermusikensembles wie »Flexemble« oder »Sax’n Strings«. Er hat Verpflichtungen als Gastmusiker bei zahlreichen Orchestern/Bühnen: unter anderem beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, bei der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, dem Landespolizeiorchester Baden-Württemberg, dem Orchester Musica Viva München, der Rumänischen Staatsphilharmonie etc. Zudem ist er in der Jury mehrerer Wettbewerbe, gibt verschiedene Kurse und ist Künstlerischer Leiter der Musikfestwochen Donau-Oberschwaben.

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