Ein Volltreffer - Azumi-»Wave-Line«-Flöten »AZ-WLOD« und »AZ-WLVC«

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 11/2010
  • Seite 22-24

Die erste Reaktion beim Tester ist erst einmal: Sprachlosigkeit. Der Blick verrät: Verwunderung. »Was soll das sein?« scheint er zu fragen. Doch schließlich obsiegt Olivier Tardys Neugier. Nach dem Test ist er überzeugt. Vor allem vom pädagogischen Ansatz, der hinter den neuen Azumi-Flöten »AZ-WLOD« und »AZ-WLVC« steht.Olivier Tardy, Flötist an der Bayerischen Staatsoper, weiß, wie Flöten aussehen. Und doch sind die vorliegenden Testinstrumente Neuland für ihn. Doch schon das erste Ausprobieren lässt ihn geradezu schwärmen. Die ergonomische Handhabung der Flöten ist der absolute Pluspunkt dieser Instrumente. »Ich selbst habe gelegentlich Rückenprobleme, wenn ich Musik mache.« Was auch daran liegt, dass die Haltung einer Flöte keine »natürliche« Haltung darstellt. »Und wenn ich als Erwachsener diese Probleme habe – wie muss das erst bei Kindern aussehen?« Die Lösung: ein kürzeres Instrument, damit Kinder eben nicht ganz so weit greifen müssen. Und da stellt Azumi nun eine Palette an Instrumenten zur Verfügung, die genau dieses Prinzip verfolgen. Und vor allem, ohne musikalische Einbußen.

Kernstück der neuen bzw. neu entwickelten Instrumente ist das gebogene Kopfstück, das den Instrumenten auch ihren Namen gibt – »Wave-Line« – und somit die Länge erheblich verkürzt. Dabei hat die Flöte »AZ-WLOD« ein O-Kopfstück, die Biegung ist fast kreisrund, und die Flöte »AZ-WLVC« ein V-Kopfstück, weil die Biegung eher V-förmig ausfällt. Die Flöte erlaubt nicht nur die ergonomische Haltung – und bei kleineren Anfängern somit keine Verspannungen in Wirbelsäule, Schultern und Nacken –, sondern bietet gleichzeitig auch eine Lösung für die Probleme, die Flöten mit gebogenem Kopfstück mit sich bringen. Im Vergleich zum Instrument mit »herkömmlich gebogenem« Kopfstück sind die Azumi-Flöten nicht so »kopflastig«, das heißt die »Wave-Line«-Flöten gewährleisten die ideale Balance und Stabilität am Ansatzpunkt. Sie liegen in der Hand wie eine »große« Flöte, wodurch ein Wegkippen verhindert wird.

Das Patent der »Wave-Line«-Flöte von Azumi (das übrigens in Zusammenarbeit mit erfahrenen Pädagogen wie zum Beispiel Prof. Barbara Gisler-Haase von der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien entstanden ist) erlaubt also den Bau einer kürzeren Flöte für den frühen Anfang am Instrument bzw. zum Übergang zur »großen« Flöte unter Beibehaltung aller Spieleigenschaften eines ebensolchen Instruments. Kürzer ist das Instrument aber nicht nur durch die Biegung im Kopfstück, sondern auch durch die Anordnung der Mechanik. Bei der »WLOD« sind die besonders flachen »Finger Buttons« von Azumi so eng wie technisch möglich gesetzt, um die uneingeschränkte Griffweise auch bei kleinen Händen zu gewährleisten. Der D-Fuß bedeutet zudem auch geringeres Gewicht und erleichterte Balance. Die »WLVC« verfügt über weiter gesetzte Buttons sowie einen C-Fuß. Beide Instrumente bieten eine vereinfachte Mechanik ohne zusätzliche Trillerklappenachse und E-Mechanik.

Azumi präsentiert hier also eine lückenlose Hinführung zur »großen« Flöte. Die »WLOD« ist das perfekte Anfängerinstrument für den frühen Anfang im Flötenspiel, das Folgeinstrument ist die – der Redaktion nicht vorliegende – »WLOC« mit O-Kopfstück und C-Fuß und die »WLVC« ist dann die Übergangsflöte zur »großen« Flöte. Alle neuen Modelle der »Wave-Line«-Seriebestehen aus Neusilber. Sowohl Kopfstück, Korpus als auch Mechanik sind aus Neusilber versilbert gefertigt. Dieses Material sorgt dafür, dass die Modelle mit ihrer schnellen Ansprache und einer für diese Kategorie bemerkenswerten Projektion bestechen. Gestimmt sind die Instrumente in 442 Hz.

Der handwerkliche Test

Christoph Knopp, Holzblasinstrumentenmacher-Meister vom Musikhaus Arthur Knopp in Saarbrücken, ist ob der handwerklichen Qualität voll des Lobes: »Die beiden Flöten kamen, sahen und siegten!« Beide Testinstrumente waren »ohne jeden Fehl und Tadel«. Die Flöten decken sehr gut, Spiel in der Mechanik ist keines zu finden. Außerdem sind die Lötstellen sauber verarbeitet und die Zapfenverbindungen sind gut. »Die minimalen Einstellarbeiten, die durchzuführen sind, sind absolut im Rahmen und werden in jedem Fachgeschäft selbstverständlich durchgeführt.«

Christoph Knopp kennt den Flötenhersteller: »Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre kann ich sagen, dass die Azumis ›sehr stabil‹ funktionieren, lediglich mit den Zapfen gab es in einer kurzen Serie mal ein paar Probleme, die vom deutschen Vertrieb Artis Music schnell und professionell gelöst wurden. Auch die Probleme mit den Polstern der Fußklappen in der ersten Serie wurden behoben.« Knopps Fazit: »Bei den ›Wave-Line‹-Flöten handelt es sich um hochwertige, durchdachte Instrumente.«

Der musikalische Test

Aber auch musikalisch haben die beiden Instrumente beim Tester durchaus Eindruck hinterlassen. Zum Beispiel verschwindet das »Rauschen«, das den Klang bei den »herkömmlich gebogenen« Kopfstücken gelegentlich beeinträchtigt.

»Diese Instrumente sind wirklich gute Einstiegsinstrumente«, findet Olivier Tardy. Das liegt zum einen am »Wave-Line«-Prinzip, aber zum anderen auch am musikalischen Aspekt. Die Ansprache bekommt gute Noten, auch die Intonation bekommt ein »gut«, wobei der Profiflötist der »WLOD« eine bessere Intonation attestiert. »Die Flöten verfügen über einen wirklich schönen Ton«, staunt Tardy, was ihm bei Schülerinstrumenten oftmals fehlt. Lediglich die tiefe Lage bei der »WLOD« »könnte etwas stärker sein«, findet der Tester. Allerdings sei hier angemerkt, dass es zusätzlich noch das Modell »AZ-WLOC« im Sortiment gibt. Hier »fehlt« der C-Fuß dann nicht und die tiefe Lage klingt entsprechend stärker. Besonders positiv fällt ihm die gute Mechanik auf und auch das Preis/Leistungs-Verhältnis ist gut. »Ich würde für die 30 Euro mehr die Flöte mit mehr Tönen nehmen«, scherzt er. Wissend, dass die kleinere Flöte natürlich vor allem für Anfänger bestimmt ist.Die »Wave-Line«-Instrumente werden seit kurzem in einem neu gestylten Etui – mit Schultergurt – ausgeliefert. Neben dem Standard-Zubehör bekommen die Flötisten zusätzliche, sinnvolle Accessoires als Zugabe: das »Wave-Line«Cleaning-Tool, einen »Wave-Line«-Flötenhalter sowie ein Buchstaben-Set, mit dem der Spieler seinen Namen auf dem Etui anbringen kann.

Fazit

Mit der »Wave-Line« hat Azumi einen Volltreffer gelandet. Und das sowohl für den frühen Anfänger als auch für den fortgeschrittenen Anfänger, der alsbald auf das große Instrument umsteigt. Somit wird der individuelle musikalische Fortschritt bestens unterstützt. Vor allem die Motivation der Spieler dürfte aufgrund der Vereinfachungen und der ergonomischen Erleichterungen für Erfolg im Unterricht sorgen.

Der Tester

Olivier Tardy wurde 1973 in Clermont-Ferrand (Frankreich) geboren. Er studierte 1991 bis 1995 Flöte am Conservatoire National Supérieur de musique de Paris und wurde nach seinem Abschluss in die Orchesterakademie des Philharmonischen Orchesters Berlin (Karajan-Akademie) aufgenommen. Seit 1996 ist er Soloflötist des Bayerischen Staatsorchesters. Neben seiner regen Konzerttätigkeit ist er auch als Dirigent aktiv.

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