»Ein typisches Jazzinstrument« - Das Saxofon im Nationalsozialismus

Nazi-Ideologen bekämpften es als »Neger- Instrument« – doch das Propaganda-Ministerium wollte es für die »gute deutsche Tanzmusik « erhalten. Der absurde Streit ums Saxofon schlug in der Nazi-Zeit hohe Wellen. Gespielt wurde das Instrument weiterhin – und reichlich.

Nach dem Ersten Weltkrieg erlebt Deutschland einen Kulturschock. Statt Kaiserreich und Operettenwalzer: Republik und Foxtrott. Die Frauen tragen Bubikopf und kurze Röcke, man tanzt Charleston und Shimmy, das Jazz-Fieber greift um sich. Am Jazz aus Amerika und England und seinen Tänzen scheiden sich die politischen Geister. Für die einen bedeutet Jazz: Demokratie, Spaß, Freiheit; für die anderen: der Einbruch des Fremdartigen, Internationalen und Undeutschen, Ausdruck von Kommunismus oder Amerikanismus, von Technikglaube oder Urwald-Barbarei. Nationalistische und rassistische Kreise in Deutschland beschimpfen den Jazz als »Geschmacks verrohung «, »Dreckbazillus« und »geistige Neger-Invasion«. Wilhelm Frick, der erste Landesminister der NSDAP, erteilt für Thüringen bereits 1930 ein Jazz-Verbot.

Mittendrin in dieser Hetze gegen den Jazz steckte das Saxofon. Zwar war es schon um 1840 für die Militär- und Konzertmusik erfunden worden, doch erst in den »wilden Zwanzigern« wurde es so richtig populär – aber als Jazz-Instrument! Es war geradezu das Symbol des kulturellen Umbruchs, Inbegriff der Jazz-Mode: »das wichtigste Melodie- Instrument des Jazz« (Alfred Baresel, 1929) und »seine Seele« (O.A. Alberts, 1931). Reaktionäre Jazz-Hasser fanden daher im Saxofon, dem vermeintlichen »Negerinstrument «, eines ihrer Lieblingsopfer. 1929 forderte die Deutsche Tonkünstler-Zeitung bereits ein »Verbot der Saxofone«. Dem national- protestantischen »Deutschen Frauenkampf bund gegen Entartung im Volksleben « war das nicht genug: Er verlangte »Ein typisches Jazzinstrument« Das Saxofon im Nationalsozialismus neben einem »Verbot von Saxofonen« auch gleich ein Verbot von »Negertänzen«. Auch Alfred Rosenberg, Chef-Ideologe der NSDAP, schimpfte 1930 auf »das Getute der Saxofone und anderer für Niggertrommelfelle gefertigter Instrumente«. In der Zeitschrift für Instrumentenbau wurde im gleichen Jahr schon die Frage gestellt: »Hat die Bekämpfung der Jazzmusik für die Musikinstrumenten- Industrie Nachteile oder Vorteile? «

  • 27.10.2011
  • Instrument
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 11/2011
  • Seite 30-32

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