Ein treuer Begleiter - Le-Monde-Altsaxofon »Satellite«

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 12/2010
  • Seite 18-20

In den Medien, vor allem in den Radiostationen, war »Satellite« in den vergangenen Monaten ständig. Vor allem nach dem 29. Mai, als Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest in Oslo gewann. Auch die kalifornische Band P.O.D. hatte einen Song gleichen Namens im Programm. »As I look up to the sky today, well I can see you looking down on me, it brings a smile to my face again – Satellite«. Zwar hatten vermutlich weder die US-Amerikaner noch die Hannoveranerin Lena das Le-Monde-Altsaxofon »Satellite« im Sinn, doch dass das Instrument ein Lächeln auf die Lippen des Spielers bringen kann, belegt der Test. Sowohl aus handwerklicher als auch aus musikalischer Sicht werden dem Satelliten positive Eigenschaften attestiert.

Nimmt man den Satelliten beim Wortsinn, dann weiß das Lateinwörterbuch, dass es sich dabei (lateinisch: satelles, -itis) um den »beschützenden Begleiter eines Vornehmen, besonders eines Fürsten« handelt, um »das Gefolge, den Anhang«. Die Firma Le Monde hat sich also etwas dabei gedacht, denn ein Musiker ist ja in der Tat immer auf der Suche nach dem Instrument, das ihn ein Leben lang begleitet. In der Raumfahrt ist ein Satellit übrigens ein Raumflugkörper, der einen Himmelskörper zur Erfüllung wissenschaftlicher, kommerzieller oder militärischer Zwecke umrundet. Zu welchem Zweck das Saxofon (Raumflugkörper) herangezogen wird, muss dann jeder Musiker (Himmelskörper) für sich selbst entdecken.

Das vorliegende Le-Monde-Altsaxofon »Satellite« ist aus Messing gefertigt und hat ein Goldlack-Finish. Das »Satellite« ist in verschiedenen Finishes erhältlich – Goldlack, Brass, Vintage, Bright Silver oder Sand Silver. Weitere gibt es zudem auf Anfrage. Das Instrument ist mit einer floralen Gravur versehen, die den Schallbecher und den Korpus verziert. Selbst am Innenrand des Schallbechers wurde an der feinen Handarbeit nicht gespart. Optional stehen dem Musiker auch verschiedende S-Bögen zur Verfügung – von Kupfer (für den Klassiker) bis zum Kupfernickel (für den Jazzer). Die Polster der Klappen sind aus qualitativ hochwertigem italienischem Leder gefertigt, die Resonatoren sind aus Metall.

Und auch das mitgelieferte Zubehör erfreut, schon bevor man den ersten Ton gespielt hat. Denn das Le-Monde-Saxofon »Satellite« kommt mit einem Mundstück von Selmer Paris, einem Tragegurt von Neotech und professioneller Blattschraube »Ultimate« von François Louis. Das Flightcase zum Schutz des Instruments ist zudem formschön und macht auch optisch etwas her. Außerdem gibt die Firma auf ihre Instrumente eine Garantie von fünf Jahren – auch um zu beweisen, welches Vertrauen sie in ihre Produkte hat.

Der handwerkliche Test

Christoph Knopp, Holzblasinstrumentenmacher-Meister vom Musikhaus Arthur Knopp in Saarbrücken, bescheinigt dem »Satellite« eine insgesamt »saubere Verarbeitung«. Die Mechanik sitzt stramm und wackelt nicht, die Deckung der einzelnen Polster ist sehr ordentlich, die Lötstellen, die Lackierung ist sehr gut, die Oberfläche ist sauber poliert, alles in allem aus handwerklicher Sicht ziemlich positiv.Die Klappen bei c1, h und b sind doppelt verstrebt, um eine bessere Deckung zu erzielen. Zudem sind die Tonlöcher gebördelt. Christoph Knopp bemängelt aber die Deckung in einigen Verbindungen. So bewegt sich zum Beispiel die G#-Klappe leicht, wenn man die rechte Hand gedrückt hat und etwa H/Bb oder C# mit dem linken kleinen Finger greift. »Ein Spielen dieser drei Töne müsste (fast) unmöglich sein.« Optisch stört den Tester ein wenig, dass die Polster »sehr weit in den Deckeln verschwinden«. Wenn die Polster einen Milimeter weiter draußen wären, »fände ich das ästhetischer – allerdings ist das kein ›kriegsentscheidendes‹ Detail«.

Der musikalische Test

Guntram Bumiller hat das Le-Monde-»Satellite« mit Selmer-Mundstücken der Serie S80 und S90 sowie verschiedenen Blättern getestet. Die spieltechnisch relevanten Bereiche werden von ihm mit mindestens »gut« bewertet. Ein »befriedigend« kommt nicht vor. Der spontane Wohlfühlfaktor, also der Wert, wie schnell und gut der Musiker, der das Instrument noch nicht kennt, mit demselben zurechtkommt, erhält ein »sehr gut bis gut«. »Mit dem mir vorliegenden Alt-Sax der Serie ›Satellite‹ fühlt man sich gleich von Beginn an wohl, es verfügt über eine sehr gute Haptik und ist auch gut für kleinere Hände zu empfehlen.« Die Klappen (c1/cis1) stehen eng zusammen und die linksseitigen Klappen liegen eng am Korpus. Nur ein Rollen c1-dis1 ist gewöhnungsbedürftig.

Die Bestnote erhält der Bereich Ansprache, und zwar in allen Lagen. Die Top Tones, die bei manchem Fabrikat für Verzweiflung sorgen, sind mit diesem Altsaxofon hervorragend zu spielen. »Die Ansprache ist über alle Lagen leicht und auch tiefe Töne sind, mit Ausnahme des cis1, das etwas schwierig anspricht, exakt zu artikulieren.«Der Klang wird mit »gut« benotet. Tester Guntram Bumiller bezeichnet ihn als »kraftvoll«. Der Klang ist von Pianissimo bis zum Fortissimo klar und kraftvoll. Einziger Wermutstropfen: das Instrument lässt vor allem bei lautem Spiel die »Wärme« etwas vermissen.

Besonders aber ist die sehr gute bis gute Intonation des Instruments hervorzuheben. Wirkliche Ausfallstöne gibt es nicht. Selbst die – wie bei vielen Saxofonen – kritischen Töne a2, d2, dis2 sind gut zu meistern. (Beim a2 ist es sogar umgekehrt, denn das ist nicht wie zu erwarten zu hoch, sondern in der Tendenz eher zu tief.) Auch das cis1 beispielsweise intoniert sehr gut ohne Hilfsgriff. Die hohe Lage mit den Tönen cis3, d3, dis3 ist wie bei den meisten Altsaxofonen zu hoch, aber auch diese sind mit Hilfsgriffen beziehungsweise »Klappen fallen lassen« gut in den Griff zu bekommen. Die zu hohen tiefen Töne h und b gelingen mit einiger Übung ebenso.

Fazit

An dem Instrument gibt es nicht viel auszusetzen. Es ist solide und macht technisch einen sehr guten Eindruck. Hier fallen die doppelt verstrebten Klappen bei c1, h und b auf, um eine bessere Deckung zu erzielen. Die Tonlöcher sind gebördelt. Eine Kippmechanik der linken Hand ist hier eine Selbstverständlichkeit.

Für den professionellen Bereich ist es nicht unbedingt auszuschließen, doch hier erwartet der musikalische Tester vor allem in Sachen Klang mehr von einem Saxofon, »nicht zuletzt um modulationsfähiger und nuancierter mit dem ›Sound spielen‹ zu können. Schließlich macht der Ton die Musik.« Das Le-Monde-Altsaxofon »Satellite« kann allen ambitionierten Amateur-Saxofonisten empfohlen werden, auch das Preis/Leistungs-Verhältnis ist ansprechend.

Das »Satellite« von Le Monde überzeugt. Es kann bei ambitionierten Musikern den Grundstein dafür legen, eine musikalische Karriere zu starten. Ob es dann tatsächlich eine exorbitante wird, liegt auch am Musiker.

Der Tester

Guntram Bumiller studierte am Richard-Strauss-Konservatorium in München Saxofon, danach absolvierte er ein Aufbaustudium am Conservatoire in Bordeaux (Frankreich), Abschluss mit Solo- und Kammermusikdiplom. Er war Sieger beim internationalen Kammermusikwettbewerb »Premio Gaetano Zinetti« in Sanguinetto/Verona (Italien) und hat zahlreiche Konzertverpflichtungen im In- und Ausland.

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