Ein lyrisches Lied vom Palast der Winde - Brassband und Musikkultur in Indien

  • 21.09.2011
  • Mainstory
  • Anneliese Schürer
  • Ausgabe: 12/2009
  • Seite 24

    In Indien muss man nicht in einen Konzertsaal gehen, um Musik zu hören. Indien selbst ist Musik. In einem Land, in dem sich das Leben zum größten Teil auf den Straßen und in den Gassen abspielt, weil meist kein gemütliches, wohliges Zuhause auf die Menschen wartet, kann man sicher nicht sagen, es hinge der Himmel voller Geigen. Aber doch so ähnlich. Die Städte sind ein großer, steter Puls. Motor-Rickschahs hupen mit den Autos in den verstopften Straßen um die Wette, dazwischen schlängeln sich voll- und überbesetzte Fahrrad-Rickschahs klingelnd durch den staubigen, stinkenden Verkehr. Im größten Getöse sitzt gelassen eine Kuh auf der Fahrbahn und muht fast schon meditativ. Am Straßenrand feilschen Männer lautstark über den Preis der Papayas und spucken dabei ständig auf den Boden. Leise kichernd huschen zwei Mädchen mit gesenktem Blick in knisternden Saris an ihnen vorbei. Aus diesen Geräuschen setzt sich eine indische Sinfonie zusammen, ein Klang des Landes – vielfältig und bunt, genauso laut und erschreckend faszinierend wie leise und behutsam betäubend.

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