ein guter jahrgang... - ...oder: arundo donax – das geheimnis des guten klangs

Diese Szene spielt sich rund um den Globus täglich wahrscheinlich tausendfach ab: Ein Rohrblattbläser sitzt in der Probe und spielt, da quietscht das Instrument plötzlich unkontrolliert. Oder der Bläser müht sich nach Leibeskräften, bringt aber die Passage nicht in der geforderten Tonqualität zustande. Bei Blechbläsern wäre klar, dass der geschätzte Kollege zum Üben aufgefordert wird. Holzbläser mit Rohrblättern hingegen deuten achselzuckend auf ihr Mundstück, genauer gesagt, das Blättchen, und ernten dafür verständnisvoll-mitleidiges Nicken. Ist das nicht gemein?

Zugegebenermaßen ist das Mundstück bzw. das Rohrblatt in der Tat das sensibelste Glied in der Kette der Tonerzeugung bei Holzbläsern. Hier ist auch das wohl größte Potenzial für Individualisierung vorhanden: Auf jedem Mundstück (und davon gibt es wirklich viele) können zig verschiedene Fabrikate von Blättern in mehreren verschiedenen Härtegraden mit ganz unterschiedlichen Methoden befestigt werden. Hier streiten die Gelehrten, ob die gute alte Blattschnur die beste Befestigungsmöglichkeit darstellt oder Blattschrauben aus Leder oder einem lederähnlichen Kunststoff oder Blattschrauben aus Metall oder andere Alternativen. Dabei kann das Blatt wiederum mit verschiedenen »Stärkegraden« befestigt werden und schwingt dann leichter oder eben schwerer. Der Vielfalt in der Befestigungstechnik sind also tatsächlich keine Grenzen gesetzt, und die Ausrede »Es liegt an meinem Blatt« zieht folglich immer, obwohl es nicht unbedingt am Blatt selbst liegen muss.

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 5/2006
  • Seite 42-43

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