ein gezeitenwechsel? - neue südtiroler blasmusik im rückblick (2)

Das Landesblasorchester Nordrhein-Westfalen umrahmte den 9. IGEB-Kongress 1990 in Toblach und Sexten (Südtirol) mit konzertanten Darbietungen neuer Kompositionen. In der Tageszeitung »Dolomiten« erschien eine rezensorische Nachbereitung von Andreas Pfeifer, die heute noch als Bestandsaufnahme einer geschlossenen blasmusikalischen Landschaft Gültigkeit hat und deswegen einer fachkompetenten Reflexion zugänglich gemacht werden soll. Teil 1 erschien in der Ausgabe clarino.print 6/2006.

Peter Hölzl Von den intellektuellen Geburtswehen ästhetischer Standortbestimmungen weiß Peter Hölzls festliche Konzertsonate »Nun danket alle Gott« für Bläserquartett und Blasorchester nichts. Denn ihr Zugriff auf das Inventar der Musikgeschichte erfolgt nicht aus ironischer Distanz, sondern aus naiver Vertrautheit. In das schlichte Gewand der Funktionsharmonik gekleidet, nimmt sich diese Komposition im Vergleich mit der Tiroler »Avantgarde« aus wie ein Fossil aus ungetrübten Zeiten der Blasmusik. Aber es ist gar nicht beschämend, wenn sich im Kreise der experimentellen Neutöner auch ein ehrlicher Vertreter der alten Zunft befindet. Was jene in der angestrengten Suche nach Zeitgenossenschaft manchmal vermissen lassen, ist diesen ein Leichtes: das Ruhen im Handwerk, der läuternde Fluss der Selbstverständlichkeit, der diese Musik vorantreibt. Ihr formales Gerüst ist die klassische Sonatenform, die zwei Themen in angenehmer Balance hält und schließlich geschickt mit dem Choral verwebt.

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Andreas Pfeifer
  • Ausgabe: 7-8/2006
  • Seite 20-23

« zurück