Effizienz ist Trumpf - Neue Best-Practice-Reihe

  • 30.04.2015
  • Praxis
  • Stefan Dünser
  • Ausgabe: 5/2015
  • Seite 12-14

Ich habe mich auf das Schreiben dieser Serie von praktischen Übungen für Blechbläser sehr gefreut. Sich mit der Effizienz von Übungen auseinanderzusetzen, ist sinnvoll. Je zielgerichteter unser Übeprogramm ist, desto mehr Zeit bleibt uns für Musik: Wer sein stets gleichbleibendes zweistündiges Trainingsprogramm jahrelang täglich absolviert, entdeckt irgendwann, dass er das aus den Augen verloren hat, was einst der Grund war, wieso er begonnen hat, ein Instrument zu spielen: Wir wollten Musik machen und nicht nur Tonleitern rauf und runter spielen. »Üben üben« ist nicht sinnvoll.

So ist diese Serie in vier Teilen zu verstehen: Sie soll uns Arbeit ersparen. Auch soll sie unser Denken auf das Wesentliche lenken. Üben ist sehr individuell. Die vorgestellten Übungen sind nur Vorschläge, ein Übekonzept, das bei vielen Musikern sehr gut funktioniert. Die vorgestellten Programme sollen aber auch dazu anregen, seine ganz persönlichen Übungen zusammenzustellen!

Das sind die Themen der Serie (monatliche Weiterführung):

  • Einspielen (in 12 Minuten)
  • Höhe und Flexibilität
  • Artikulation und Luftfluss
  • Ausdauer und Kraft

Einspielen bei Blechbläsern – wie sinnvoll ist das wirklich?

Da gehen die Meinungen auseinander. Es gibt Brass-Gurus, die behaupten, einspielen sei letztlich Nonsens, mit der richtigen Einstellung ginge es auch ohne. Die Wahrheit ist aber eine andere: Alle spielen sich ein. Man ist so einfach besser aufgewärmt, stimmt und klingt besser. Und vor allem: die Besten tun’s sogar ganz akribisch. Vieles hat mich dabei richtig verblüfft. Raten Sie mal, welches die Lieblingsübung von Ole Edvard Antonsen ist... Die zweite Studie von Clarke! Täglich in Viertelnoten schön sauber zelebriert, so lange bis es schön klingt. Das sagen übrigens die meisten, von Hans Gansch bis zu Arnold Jacobs: »So lange einspielen, bis es schön klingt.«

Der Körper und die Lippe fühlen sich jeden Tag anders an. Es gibt Sternstunden, in denen sich Atemapparat und Ansatz sofort wunderbar anfühlen: Dann kann man schon zu Beginn fast alles spielen. Aber es gibt eben auch Tage, an denen wir noch nicht gleich Zugriff auf unser vertrautes Spielgefühl haben. Außerdem besteht zu Beginn eine hohe Verletzungsgefahr, weil die spieltechnisch relevanten Muskeln noch nicht die notwendige Elastizität besitzen. Auch die Atemmuskeln (!) sind noch nicht elastisch und leistungsfähig genug. Aus dem Sport gibt es viel zu lernen. Da nämlich sind Aufwärmen und Dehnen eine Selbstverständlichkeit.<xml></xml>

« zurück