doris decker - lakonische statements für »große gefühle«

Mit Doris Decker zu plaudern, ist ein wenig, als stünde man barfuss in einem Gebirgsbach. Klar und erfrischend fließen ihre Worte – wie kristallklares Wasser über nackte Füße. Im Fluss des Lebens hat Doris Decker schon viel ausprobiert, noch mehr erlebt und immer die Herausforderung gesucht. Es scheint fast, dass ihr das meiste regelrecht in den Schoß gefallen ist. So viel Leichtigkeit und Lebensfreude strahlt sie aus. Und so wenig macht die Saxofonistin den Eindruck, dass es sie Mühe kostet, was andere sich hart erarbeiten müssen: Erfolg. Das ist natürlich nur der äußere Eindruck, tatsächlich zählt Doris eher zu den Menschen und Musikern, die großes Talent mit täglichem Üben und einem guten Schuss Glück verbinden. Auch dem Glück, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute getroffen zu haben, die sie gefördert, ihre Möglichkeiten erkannt und eine Plattform geboten haben.

Als Doris Decker sich Zeit für unser Gespräch nimmt, ist sie eigentlich gerade auf dem Weg zu einem TV-Termin – aber nichts an ihrer gelassenen Art ein Gespräch zu führen vermittelt den Eindruck, dass sie in Eile ist. Ganz im Gegenteil. Sie gehört ganz klar zu den Menschen, die ihrem jeweiligen Gegenüber immer das Gefühl geben können, jetzt und hier für sie das Wichtigste zu sein. Gerade aus Ägypten wieder zurück in Hamburg – die Weltenbummlerin in Doris Decker brauchte wieder dringend einen Tapetenwechsel – steuert sie auf die Veröffentlichung ihres zweiten Albums zu: »Double Decker«. Aufgenommen hat sie es mit ihrer Band »Doris Guesthouse«, zusammen mit Anselm Kluge und einer kleinen Handvoll erlesener Musiker: Julius Hartog an der Gitarre, Sebastian Borowski an Flöte und Sax plus Taco van Hettinga. »Double-Decker« ist ein Streifzug durch Doris Deckers Gegenwart, ihre musikalische und lyrische Sicht der Dinge, die in ihrer Wahrnehmung, ihrem Leben eine Rolle spielen. Die sie geprägt und verändert und stark gemacht haben.

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Christiane Neuendorf
  • Ausgabe: 4/2006
  • Seite 20-22

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