Dirigenten erklären Musik - Thomas Ludescher über »Tierra Mitica«

Eine der großen Herausforderungen für Dirigenten ist die Literaturwahl für unsere Orchester. Die Serie »Dirigenten erklären Musik« versucht hier besondere Werke, vielleicht auch nicht so bekannte, in Vergessenheit geratene Werke, ins Licht zu stellen. Eine tolle Initiative, laufen wir doch Gefahr, in unserer deutschsprachigen Blasorchesterszene in einen gewissen »Literatur-Einheitsbrei« zu geraten. Die spanische Blasmusik und ihre Tradition ist zumindest im deutschsprachigen Raum – aus welchen Gründen auch immer – eher unbekannt. Ich will mit der sinfonischen Dichtung »Tierra Mitica« von Bernardo Adam Ferrero ein Stück spanische Musik in den Mittelpunkt der Leser rücken.

Tradition der Blasmusik am Beispiel der Provinz ValenciaIn der Provinz von Valencia leben rund 2,2 Millionen Menschen und es sind mehr als 360 Blasorchester eingetragen, in fast jeder Stadt gibt es eine oder auch mehrere »Bandas«. Allein in Valencia gibt es in annähernd jedem Stadtviertel ein Blasorchester mit bis zu 160 Mitgliedern. Die Orchester sind so aufgebaut, dass die Mitglieder einen meist monatlichen Mitgliedsbeitrag bezahlen. Wirkt das Orchester bei einem internationalen Wettbewerb mit oder steht der Bau oder die Restaurierung des eigenen Konzertsaals an, werden zusätzliche Spesen eingezogen. Einige der Orchester Valencias haben über 1000 aktive und fördernde Mitglieder. Die Familien sind stolz, Mitglieder einer solchen Gemeinschaft zu sein. Wird man in eine Familie hineingeboren, die einem Blasorchester angehört, wird erwartet, dass man die Familientradition aufrecht erhält und ein aktives oder zumindest zahlendes Mitglied wird.

In Valencia gibt es drei Städte (Lliria, Buñol und Cullera), die je zwei sehr große Blasorchester führen. Sie sind alle große und kostspielige Organisationen. Alle sechs Orchester haben einen eigenen Konzertsaal mit Restaurant oder Bar, wo während des Wochenendes unter anderem Kinofilme gezeigt werden, um Einnahmen zu erreichen. Die Dirigenten dieser Orchester gehören zu den bestbezahlten. Es fällt auf, dass in der Region Valencia die hervorragenden Dirigenten, Komponisten und Jurymitglieder nicht nur in der Blasmusikszene, sondern selbstverständlich auch in der Orchester- und in der Opernwelt anerkannt und erfolgreich tätig sind. Üblicherweise spielen professionelle Musiker, die ihre Arbeitsstelle bei Orchestern in Madrid, Barcelona oder Sevilla haben, in den Ferien in ihren Stadtkapellen mit. Es ist auch selbstverständlich, dass sie beim Wettbewerb mit ihren Blasorchestern mitspielen.


Thomas Ludescher

Thomas Ludescher lebt in Österreich. Er studierte am Landeskonservatorium Feldkirch und an der Musikuniversität Wien Trompete und Musikpädagogik. Im Juli 2003 absolvierte Ludescher die Diplomprüfung für »Blasorchesterleitung & Instrumentation« bei Prof. Maurice Hamers an der Musikhochschule Augsburg-Nürnberg und besuchte Meisterkurse bei Bernard Haitink, Carlos Trikolidis und Andreas Spörri (Dirigieren), Ed de Boer, Johan de Meij und Alfred Reed (Komposition und Instrumentation). Derzeit studiert Ludescher Komposition bei Prof. Herbert Willi am Landeskonservatorium Vorarlberg.

Thomas Ludescher ist Leiter des Studiengangs »Blasorchesterleitung« am Vorarlberger und Tiroler Landeskonservatorium, Lehrbeauftragter für Blasorchesterleitung am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg und Assistent von Prof. Maurice Hamers. Als Funktionär ist er Landeskapellmeister des Vorarlberger Blasmusikverbands und stellvertretender Bundeskapellmeister des Österreichischen Blasmusikverbands. Er ist Dirigent und künstlerischer Leiter des Sinfonischen Blasorchesters Vorarlberg und des Fanfareorchesters »West Austrian Wings«.

Als Dirigent leitet er mehrere Projektorchester und ist als Gastdirigent, Dozent und Juror international tätig. Aufträge führten ihn nach China, Spanien, Norwegen, Deutschland, Italien, Holland, Schweiz . . .

Infos: www.ludescher.com

Certamen International de Bandas de Musica de Valencia

Der erste Wettbewerb wurde im Jahre1886 durchgeführt. Der damalige Bürgermeister Manuel Sapina Rico beschloss mit Hilfe des musikbegeisterten Stadtrats Soriano Plassent einen Wettbewerb für die Kapellen von Valencia zu organisieren. Durch die hohe Qualität der teilnehmenden Orchester und die ständige Weiterentwicklung dieses Wettbewerbes steigerte sich schrittweise das Ansehen des Certamen. Mittlerweile zählt der Certamen von Valencia zu einem der bedeutsamsten Blasorchesterwettbewerbs in Europa, der jährlich Anfang Juli in Valencia stattfindet.

Während Anfangs nur Pasodobles und Zarzuelas gespielt wurden, nahmen mit der Zeit die Ansprüche der Literatur zu und es ist mittlerweile nicht unüblich Strawinskys Sacre du Printemps zu hören. Im Jahr 1997 spielten die drei Orchester der höchsten Sektion, Bela Bartok's "Concerto for Orchestra", Bartok's "Miraculous Manderin" und Gustav Mahler's "Symphony No. 1". Heute gibt es 4 Sektionen, gegliedert nach Anzahl der Musiker. In der höchsten Sektion "Division Honour" spielen zwischen 111 und 150 Musiker incl. maximal 16 Streichinstrumenten. In der 1. Division zwischen 81 und 110 Musiker mit max. 12 Streichern, in der 2. Division zwischen 51 und 80 Musiker mit max. 8 Streichern und in der 3. Division zwischen 40 und 50 Musiker mit max. 6 Streichern.

Die Sinfonische Dichtung „Tierra Mitica“ wurde im Jahr 2000 als Pflichtwerk für diesen Wettbewerb in der „section de honor“ (Höchstklasse) komponiert.

Website, Certamen Internacional de Bandes de Música Ciutat de Valencia:www.cibm-valencia.com

Bernardo Adam Ferrero

geboren 1942 in Algemesí, Provinz Valencia, Spanien ist ein zeitgenössischer spanischer Komponist, Dirigent, Autor verschiedener Publikationen, Doktor an der Universität in Sydney (Australien), Professor für Geschichte an der Universität von Valencia sowie Rektor der Musikhochschule von Valencia.
Nach seinen Studien am Konservatorium von Valencia bei Amando Blanquer Ponsoda in den Fächern Klavier, Harmonielehre, Kontrapunkt, Fuge, Komposition und Dirigieren, vervollständigte er seine Studien im Ausland. Am Konservatorium von Sienna, Italien, Rom an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia u.a. bei Luigi Dallapiccola, Franco Ferrara, Nino Antonellini, Godofredo Petrassi und Boris Porena sowie in Paris bei Olivier Messiaen folgten Kurse für Orchestration und Orchesterdirektion.
Er bekam mehrere Kompositionspreise, so zum Beispiel den Joaquin Rodrigo-Preis des spanischen Außenministeriums, den Manuel Palau Preis, den Preis des Instituto de Estudios Alicantinos e Deputation Provincial Alicante. Für seinen Beitrag zum kulturellen Zusammenleben und der künstlerischen Entwicklung der Stadt Valencia wurde er zum Ballester de l'Any ernannt.
Bernardo Adam Ferrero arbeitet mit diversen Symphonieorchestern, Chören und Ensembles, er ist Direktor des international bekannten Festivals für Blasorchester Certamen Internacional de Bandes de Música Ciutat de Valencia. Weiterhin ist er Dirigent des Symphonischen Orchesters der Stadt Lliria, Provinz Valencia, des Blasorchesters der Musica de la division de infanteria motorizada sowie des Blasorchesters der Nationalen spanischen Marine in Madrid.
Als Komponist ist er vielseitig und schuf Werke für Blasorchester, Kammermusik, Filmmusik, Rundfunk und Fernsehen.

Infos: www.adamferrero.com

Literatur für Blasorchester (Bandas)

  • A Bilbao (Edit. RCE)
  • Almassera (Edit. RCE)
  • Altea. Castell de l´Olla (Edit. IVM)
  • Bendito seas, Señor (Edit. Piles)
  • Castell de l´olla (Edit. RCE)
  • Danzas valencianas (Edición “Retrobem la nostra música)
  • Danzas alicantinas (Edit. RCE)
  • Diálogos (4 Hörner und Blasorchester) (Edit. RCE)
  • Divertimento (Edit. Piles)
  • El cantar del Mío Cid (Edit. Bronsheim)
  • El 2 de mayo en Madrid (Edit. Rivera)
  • El 9 d´Octubre (Edit. Rivera)
  • En el claustro de Santo Domingo (Edit. RCE)
  • Fallera Mayor de Valencia (Edit. RCE)
  • Festes en Llanera (Edit. Bronsheim)
  • Homenaje a Joaquín Sorolla (Edit. RCE)
  • Imágenes de la Armada Espanola (Edit. RCE)
  • Impresiones festeras ( Edit. Piles)
  • Música para Banda (Edit. RCE)
  • Navarra (Edit. RCE)
  • Obertura para una reina (Edit. Eufonia
  • Ontinyent (Sinfonische Dichtung) (Edit. RCE)
  • Sagunto (Sinfonische Dichtung) (Edit. RCE)
  • Suite poemática a García Lorca (Edit.Piles)
  • Tierra Mitica (Sinfonische Dichtung) (Edit. Bronsheim)

Pasodobles

  • Cent anys de música (Edit. RCE)
  • El Pernil (Edit. RCE)
  • Eugenia López (Edit. Bronsheim)
  • Falla Gil y Morte (Edit. RCE)
  • Falla Malvarrosa (Edit. RCE)
  • Falla Progreso-Travesía Teatro (Edit. RCE)
  • Falla Sueca-Literato Azorín (Edit. RCE)
  • Falla Zapadores (Edit. RCE)
  • Francisco Camps (Edit. RCE)
  • Gallego Martínez (Edit. RCE)
  • Garcieta (Edit. RCE)
  • La Marcelina (Edit. RCE)
  • Maria Ángeles Redondo (Edit. RCE)
  • Mariners d´Ontinyent (Edit. RCE)
  • Pellicer-Torresv (Edit. RCE)
  • San Miguel de Abona (Edit. Eufonia)
  • Vicente Gramuntell (Edit. RCE)
  • Vicente Gurrea (Edit. RCE)
  • Villamarchante (Edit. RCE)

Militärmärsche (alle Edit. RCE)

  • Boinas y cascos azules de Espana
  • Coronel Ángel Adán
  • Coronel Hernández Moro
  • General Antón Ordóñez
  • General Oliver
  • Maestrazgo nº 3
  • Marcha de los boinas verdes
  • Regimiento “Lusitania nº 8
  • Teniente General Quesada

Prozessionsmärsche (alle Edit. RCE)

  • Amics del Corpus
  • Cristo Altea 2004
  • El Cristo del Salvador

Hymnen (alle Edit. RCE)

  • Himno de la Agrupación de fallas de Ruzafa
  • Himno a Albarracín
  • Himno a Algar de Palancia
  • Himno a Almansa
  • Himno a la Llosa de Ranes
  • Himno A la Falla Nou Campanar
  • 21.09.2011
  • Praxis
  • Thomas Ludescher
  • Ausgabe: 10/2010
  • Seite 14-16

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