Dirigent, Komponist und Klarinettist Mathias Wehr über Wettbewerbe

Foto: Stephan Spangenberg

Panflötist wäre er beinahe geworden – hätte die Musikschule dieses Instrument im Angebot gehabt. Ob Mathias Wehr dann die Liebe zum Dirigieren gefunden hätte, ist allerdings fraglich. Als Klarinettist hatte er leichter den Zugang zum Dirigieren – auch wenn er erst mit 16 zum sinfonischen Blasorchester fand und später Klarinette in Nürnberg und Dirigat bei Maurice Hamers studierte. CLARINO sprach mit dem Schwabacher über Dirigierwettbewerbe, Blasorchester- und Brassband-Wettbewerbe und auch über Kompositionswettbewerbe.

Mathias, sprechen wir zuerst über Dirigierwettbewerbe: Hast du selbst an Dirigierwettbewerben teilgenommen?

Ja. Man muss sich ja auch um seine Karriere kümmern und da ist es klar, dass man Wettbewerbe mitmacht und sich zu beweisen versucht. 2008 war ich in Norwegen bei der »European Conductors Championship«, bei der ich den ersten Platz belegte. Ein Jahr später gewann ich in Kerkrade bei der »World Music Conductors Championship« den silbernen Taktstock.

Welche Konsequenzen hat es, wenn man einen Dirigierwettbewerb gewinnt?

Es geht in erster Linie um die Erfahrung, die man bei einem Wettbewerb sammelt. Der Wettbewerb in Kerkrade ging über eine Woche und man musste so ziemlich alles dirigieren – von Ensembles über Fanfaren, Brassbands und Blasorchester. Dozenten haben einen begleitet, man musste sich beweisen und man hat unglaublich viel gelernt. Hinzu kommt: Wenn man so einen Wettbewerb gewinnt, ist das nicht nur gut für den Lebenslauf, sondern auch für das persönliche Ansehen.

Hat es negative Konsequenzen, wenn man bei so einem Wettbewerb schlecht abschneidet?

Nein. Ich muss zugeben, die »European Conductors Championship« war nicht mein erster Dirigierwettbewerb. Ich hatte zuvor in Wien an einem Wettbewerb teilgenommen und ich glaube, ich flog in der ersten oder zweiten Runde raus. Man steigt ja irgendwo ein und muss sich langsam vorwärtskämpfen.

Man hat keine Erfahrung, macht irgendwas und dann kommt die Jury und sagt einem, was verbesserungswürdig ist und warum es nicht für die nächste Runde gereicht hat. Da geht einem ein Licht auf und man weiß, woran man noch arbeiten muss.

Das habe ich gemacht. Es kommt der nächste Wettbewerb und da kommt man zwei Runden weiter. Und man lernt wieder dazu, man trainiert wieder weiter und dann gewinnt man irgendwann auch mal.

Welcher Dirigierwettbewerb hat dir bislang am besten gefallen?

Mir haben alle Wettbewerbe gefallen. Hervorstechend war aber schon dieser Workshop in Zusammenhang mit dem Dirigierwettbewerb in Kerkrade. Ich kenne keinen Wettbewerb, der das in dieser Hinsicht auch so anbietet.

  • 23.08.2019
  • Schwerpunktthema
  • Christine Engel
  • Ausgabe: 9/2019
  • Seite 36-38

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