Digitale Medien: Segen und Fluch in der Musik

Unser Thema erhält gerade gegenwärtig enorme Aktualität, erleben wir doch Macht und Ohnmacht der User verschiedenster Netzwerke mit Meldungen, Informationen und Kommentaren, von denen man nicht weiß, wer sie ins Netz gestellt hat, ob sie gar automatisch verfasst wurden (Social Bots) und demzufolge abstrakt manipulativ sind, und wer Nutzen daraus gewinnt oder wer »zersetzt« werden soll.

Wir müssen uns also heute schon die Frage stellen, ob der flottierende Gebrauch der sogenannten sozialen Medien durch breiteste Bevölkerungsschichten wirklich nur segensreiche Auswirkungen auf die Menschheit besitzt oder ob das menschliche Individuum auf Dauer nicht doch nur an das Kreuz blitzartig agierender Maschinen und deren Betreiber genagelt wird. »...Die im Dunkeln sieht man nicht« (Brecht, »Dreigroschenoper«)

Bücher vs. Algorithmen

Schon bei meinen Recherchen im Internet habe ich zwiespältige Gefühle, da Stil und Sichtweise auf bestimmte Themen auf mich intuitiv unvollkommen, schmalsichtig und oberflächlich wirken. Wenn ich dann bei meinen Recherchen auf meine Bücher zurückgreife, finde ich so viele umfangreichere Gedanken, Anregungen und Tiefenbetrachtungen, dass ich mich glücklich preise, seit früher Jugend Bücher gesammelt zu haben.

Mein Vertrauen in digitale Medien hält sich also in Grenzen ohne dabei zu vergessen, dass Maschinen eigentlich zunächst weder gut noch böse sind. Es ist der Mensch, der aus erleichterndem Gebrauch Missbrauch machen kann und der zunächst meist seine eigene Sichtweise der Dinge für gültig erachtet.

Die Chefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, beklagt den »Missbrauch« von Social Bots im Wahlkampf und will diese verbieten lassen. Ja, wie denn? Sie müsste eigentlich die Menschen verbieten, die die Medien für einen »Shitstorm« zulasten Dritter nutzen. Dieser »Storm« kann vom Nordpol oder vom Südpol kommen – wer weiß das?

Technik? – Mensch bleibt Mensch!

»Der Mensch ist gut, das schmeckt in Lesebüchern wie Kompott«, dichtet Erich Kästner. Blicken wir musikalisch in das 18. und 19. Jahrhundert zurück. Es waren Jahrzehnte unendlich vieler Komponisten, die mit ihren Werken beim Publikum um Anerkennung warben. Aber die Konkurrenz schlief nicht.

Sie verhökerte ganze Vorstellungen an sogenannte Claqueure, die einen Komponisten mit seinem Werk hemmungslos bejubelten oder tumultuarisch auspfiffen. Sie hatten damals noch keine digitalen Medien, aber die subtile Grausamkeit anonymer Menschen gegen Andersmeinende oder Anderswissende war genauso wirkungsvoll.

Damit möchte ich also die Frage stellen: »Was hat der Menschheit die mediale Entwicklung bisher gebracht?« Zunächst sicher eine Kommunikationsgeschwindigkeit, die es möglich macht, zum Beispiel ein Konzert in Echtzeit von jedem Punkt der Erde aus zu verfolgen. Aber auch die Möglichkeit, beispielsweise bei den Inuit nahe dem Nordpol eine Folklore-CD zu erwerben und diese Musik in einem Koffer nach Deutschland zu bringen, sie da zu hören oder sie einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Das sind positive und verbindende Aspekte des »Digitalismus«. Die Menschen sind also näher zusammengerückt und die Medien garantieren einen Kulturaustausch, der das Verständnis füreinander sehr erleichtert. Soziale Medien fördern also Kommunikation und Wissensaustausch der Menschen untereinander und helfen, Vorurteilen und Abneigung gegen andere Menschen und Kulturen vorzubeugen.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Digitale Medien: Segen und Fluch in der Musik":

  • 22.02.2017
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 3/2017
  • Seite 26-29

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