Die Tilinka-Skala - Wie »fremde« Elemente die eigene Musik bereichern können (2)

Mit diesem Artikel möchte ich an den vorangegangenen (Ausgabe 11/2010) anknüpfen und weitere Materialien zur Verfügung stellen und so die Musik aus dem Balkan-Gebiet näherbringen. Diesmal soll es sowohl um Verschieber gehen – aus ungeraden über gerade Takte – als auch um Musik mit Bordun (das heißt, dass ein Grundton liegen bleibt und modal über ihn gespielt wird). Der Schwerpunkt in dieser Ausgabe wird die Skala der Tilinka-Flöte sein.Besonders interessant sind Skalen, die sowohl die Dur- als auch die Moll-Terz gleichzeitig beinhalten. In der Jazzmusik existiert so etwas auch, und zwar die »Kreuz Neun« in einigen Dominant-Akkorden <1>. In einigen Stilen vom Balkan wird sie allerdings nicht als solche betrachtet, sondern ist Teil einer Skala und nicht eines Akkords. Von dieser aus können dann entsprechende Akkorde gebildet werden.TilinkaEine dieser Skalen <2>, mit der wir uns hier beschäftigen werden, stammt vermutlich von der rumänischen Flöte Tilinka. Diese lange Hirtenflöte stammt aus den Karpaten. Sie ist ein Holzrohr, das keine Grifflöcher besitzt. Entweder wird sie mit einem Blockflötenansatz gespielt oder sie ist an beiden Seiten offen, wie die bulgarische Flöte Kaval. Durch das halbe Verschließen des Lochs mit dem Finger am anderen Ende des Rohres verschieben sich die Obertöne um einen Halbton. Beispielsweise sind die Obertöne von Ton a aus betrachtet ab dem vierten Oberton a, cis, e, g, a, h. Wenn man jetzt das Loch an der gegenüberliegenden Seite des Blasansatzes mit dem Finger schließt, bekommt man as, c, es, ges, as und b hinzu. In dieser Musik ist die Skala wahrscheinlich nicht auf die Musiktheorie, sondern eher auf die Beschaffenheit des Instruments zurückzuführen. Beispiel <3> zeigt die Obertonreihe.

 

  • 21.09.2011
  • Praxis
  • Vahid Mateijko
  • Ausgabe: 1/2011
  • Seite 14-15

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