die stille in der musik - gedanken über ein vernachlässigtes thema

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Thomas Doss
  • Ausgabe: 11/2003
  • Seite 18-19

Haben wir uns schon einmal überlegt: Woher kommt eigentlich ein Crescendo? Und wohin führt uns das Diminuendo? Ist es wie Kommen und Gehen – wie Geburt und Tod – oder gar wie ein Wegweiser? Wie sieht der Beginn eines Crescendos aus, wie klingt das Ende des Diminuendos? Ein langer Ton kommt von irgendwoher, rauscht an uns vorbei und verschwindet wieder. Wohin geht er? Was ist dort? Es ist immer dieselbe Antwort: Die Stille. Dort wo sehr viel Leben ist, mehr als wir glauben. Wer die Stille in sich trägt, hat mehr zu sagen.

Die Stille – ein Phänomen, das viel zu wenig beachtet wird, das vergessen wurde, unbewusst verleugnet wird, nicht nur im Leben, auch in der Musik, wo die Stille uns so viel mehr erzählen könnte über ein Stück, aber auch über uns selbst. Beispiel: Die Zäsur oder Pause. Beziehe ich sie nicht bewusst in die Musik ein ist es, wie wenn ein Maler die wichtigsten Spektral-Farben ausspart und trotzdem einen Kristall in der Sonne malen will.

 

« zurück