Die Nase: Duft und Töne

Manch ein CLARINO-Leser mag sich fragen, was eine musikalische Bläserzeitschrift mit der Nase zu tun habe? Sind beim Blasen doch vorrangig Lunge, Zwerchfell und Mundpartie beteiligt.

Mit dieser Frage berühren wir bereits kontrovers diskutierte bläserische Dauerthemen: Muss die Einatmung beim Blasen über die Nase oder den Mund erfolgen? Wo liegt dabei die Zunge, welche Stellung nehmen Lippen- und Wangenmuskulatur ein, und wie erfolgt eine schnelle bläserische Formierung?

Über all diese Fragen habe ich in »CLARINO« schon geschrieben. Anatomie und Physiologie speziell der Nase waren allerdings noch kein Thema in Verbindung mit bläserischen Prozessen.

Unsere Sinne

Jeder gesunde Mensch besitzt fünf Sinne und die dazugehörigen Sinnesorgane, die ihm helfen, sich in der Welt zurechtzufinden. Dies sind die Nase um zu riechen, die Augen um zu sehen, die Haut um zu fühlen, die Zunge um zu schmecken und die Ohren um zu hören.

Bereits für das Gesamterscheinungsbild eines Menschen, den Habitus, spielt die Nase in Größe und Form eine sehr wichtige Rolle. Wesentliche Charakteristika des Aussehens und sogar erotische Reize werden durch die Nase eines Menschen bestimmt und vermittelt.

Organ zur Weltorientierung

Im Lebensalltag strömt unsere Atemluft vorwiegend durch die Nase, die mit ihrem Geruchssinn auch den ersten Innenkontakt des Menschen mit seiner Außenwelt herstellt. Bereits nach einigen wenigen Atemzügen können wir entscheiden, ob ein Aufenthaltsort sicher ist oder wir uns besser entfernen sollten. Damit erfüllt die Nase bereits eine wichtige Aufgabe bei der Lebensorientierung in unserer Umwelt.

Anatomie der Nase

Unser knöchernes Nasengerüst ist Teil des Gesichtsschädels. Die Knochen der äußeren Nase bestehen aus Nasenbein (Os nasale) und Oberkiefer (Maxilla). Die Nasenlöcher sind von Knorpel umgeben und werden durch die Nasenscheidewand (Septum nasi) in der Mitte geteilt. Diese besteht zum Teil aus Knochen und Knorpel.

Im Naseninneren befinden sich die Nasenhöhlen (Cavi nasi). Sie gehören zum Gesamtkomplex unserer Atmungsorgane. Die Nase dient der Erwärmung und Anfeuchtung der Einatmungsluft. Darüber hinaus werden Staubpartikel aus der Atemluft herausgefiltert. Eine Aufgabe der größeren Nasenhaare (Vibrissae) besteht in der Verhinderung eines Eindringens größerer Schmutzpartikel oder Insekten in Atem­wege und Lunge.

Die Nasenlöcher führen weiter zum Rachen, zum Kehlkopf und von da zur Luftröhre. Unsere Nasenhöhlen sind zusätzlich mit den Nasennebenhöhlen verbunden, von denen sie über die Tränennasengänge Flüssigkeit zum Befeuchten des Nasenraumes erhalten.

Über die Ohrtrompete besteht eine Verbindung vom Nasenrachenraum (Nasopharynx) zum Ohr. Damit verbundene akustische Leitsysteme in unserem Kopf sind auch für das instrumentale Hören von großer Bedeutung.

Aus klein wird groß

An den Seitenwänden der Nasenhöhlen vergrößern knöcherne Vorwölbungen, die sogenannten Nasenmuscheln (Conchae nasales) deren Oberfläche; sie erwärmen durch ihre gute Durchblutung die zuvor befeuchtete Einatmungsluft.

Pflugscharbein, Stirnbein, Siebbein, Oberkiefer und Keilbein bilden das Skelett um die Nase. Der Boden der Nasenhöhle ist auch gleichzeitig das Dach des Gaumens. Unsere Nasenhöhlen sind von einer Schleimhaut (Membrana mucosa nasi) überzogen, an der sich die sogenannten Flimmerhärchen (Zilien) befinden, welche kleinere Fremdkörper mithilfe von Schleim in den Nasenrachenraum transportieren.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Immer der Nase nach: Welche Rolle spielt das Geruchsorgan?":

  • 30.08.2017
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 9/2017
  • Seite 28-30

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