Die musizierenden Wachtmeister als Präventionshelfer

  • 25.03.2015
  • Szene
  • Christine Engel
  • Ausgabe: 4/2015
  • Seite 50-53

Benefizkonzerte geben und innerdienstliche oder protokollarische Anlässe musikalisch umrahmen – das sind zwei Aufgaben der 13 Landespolizeiorchester und drei Bundespolizeiorchester in Deutschland. Es gibt aber eine weitere Hauptaufgabe in diesen Orchestern und die rückt immer mehr in den Vordergrund – nicht zuletzt deshalb, weil die Polizeimusiker damit auch »richtige« Polizeiarbeit leisten: Die Prävention an Schulen.

Sie heißen »Namene«, »Christian« und »Emil« – es sind Kinder und alle drei sind Protagonisten in musikalischen Geschichten, die anderen Kindern zeigen, wo Gefahr lauert, dass Mobbing blöd und Zivilcourage cool ist und dass es zusammen und gewaltfrei in der Gruppe sowieso am schönsten ist.

Fast alle Bundesländer verfügen über ein Landespolizeiorchester – bis auf Berlin und Bremen. Die Polizei Big Band Schleswig-Holstein wird im August aufgelöst. Die 13 verbleibenden Ensembles der Länder und die drei Bundespolizeiorchester geben fast alle Schulprogramme auf verschiedenste Weise. Das geht von Instrumentenvorstellungen als »Mobile Musikvermittlung« mit dem Ziel, die »Uniformangst« zu nehmen wie in Rheinland-Pfalz, über gemeinsames Musizieren wie in Nordrhein-Westfalen, Produktionen von Musicals und Hörspielen wie in Mecklenburg-Vorpommern bis hin zu eigens komponierten Präventionskonzepten wie in Niedersachsen und Brandenburg. Die Auftrittszahl der verschiedenen Orchester hat dabei eine Spannweite von zehn bis 70 Konzerten für Kinder pro Jahr.

Bis zu 70 Konzerte für Kinder und in Schulen gibt das Polizeiorchester Sachsen – und das von insgesamt 170 Auftritten aller Besetzungen. »Wir als Orchester haben es uns zur Hauptaufgabe gemacht, Präventionskonzerte zu geben. Prävention ist eine Kernsache der Polizei. So sind wir mit unserer Kernaufgabe richtig in die Struktur Polizei eingebunden und so auch sicher als Orchester«, sagt Dirigent Torsten Petzold. Verschiedene Konzertprogramme hat Petzold dabei im Repertoire. Da ist zum Beispiel »Ein ganz normaler Tag« für Vorschulkinder. Der kleine Christian geht zum ersten Mal alleine in den Kindergarten und entdeckt dabei viel Spannendes. Abgelenkt wie er ist, vergisst er dabei nicht nur die Zeit, sondern übersieht so manche Gefahr. Ganz anders klingt die Musik zu den neu ausgearbeiteten Konzepten zu den Gefahrenstellen »Social Media« und Crystal Meth für Jugendliche bis zur neunten Klasse. »Durch die Nähe zu Tschechien ist das Zeug bei uns überall«, erläutert Petzold, warum gerade Crystal Meth in der Musik eine Rolle spielt. Anderer positiver Nebeneffekt der Konzerte sei, dass die Musiker in Uniform locker rüberkommen und die Angst bei Kindern abbaue, sich an die Polizei zu wenden. »Außerdem wollen wir das Interesse an Musik wecken. Denn wenn Kinder ein Instrument in der Hand haben, nehmen sie keine Pflastersteine in die Hand«, ist Torsten Petzold überzeugt. Die Stücke der Konzerte stammen allesamt aus dem Notenarchiv des Polizeiorchesters Sachsen. »Wir spielen die Stücke nie ganz. Das sind alles Ausschnitte. Das geht von ›Pippi Langstrumpf‹ über ›Rocky‹ bis zu Samuel Barbers ›Adagio‹. Etwas extra Komponiertes haben wir nicht.«

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