Die Mannheimer Schule - Ein Meilenstein der Bläsergeschichte

Bei Musik aus Mannheim denken viele zuerst an Xavier Naidoo und die Pop-Akademie. Dabei war Mannheim schon im 18. Jahrhundert eine Hochburg der Musikkultur: Die Instrumental-, Orchester- und Kompositionsschule am kurfürstlichen Hof zählte zu den besten Europas und sollte die Sprache der Klassik und Romantik nachhaltig prägen. Nicht zuletzt die klassischen Bläser verdanken Mannheim ihre Emanzipation.

Thron- und Erbfolgen von Herrscherhäusern haben schon manchem Schüler den Geschichtsunterricht vergällt. Leider waren solche dynastischen Launen kein privater Aristokraten-Sport, sondern besaßen oft große Auswirkungen auf das tägliche Leben der Menschen – und ebenso auf die Entwicklung von Kultur und Wissenschaft. Die kurze Geschichte der Mannheimer Schule ist das beste Beispiel dafür. 

Die Stadt an der Mündung des Neckars in den Rhein betritt ziemlich plötzlich Mitte des 18. Jahrhunderts die musikalische Landkarte. Bald wird sie international gefeiert für das beste Orchester Deutschlands (so Leopold Mozart), Europas (so Charles Burney), wenn nicht der Welt (so Friedrich Daniel Schubart). Man lobt die kurpfälzische Stadt als »das Paradies der Tonkünstler« und als beispiellose Konzen­tration von Virtuosen und Komponisten. Doch die enorme Bedeutung dieser musikalischen Blütezeit für die klassische und romantische Musik ist heute weitgehend vergessen. Denn um 1780 verschwindet die Mannheimer Schule plötzlich scheinbar vom Erdboden. Selbst in Mannheim findet man nur noch mit Mühe ihre Spuren.

  • 22.05.2012
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 6/2012
  • Seite 42-44

« zurück