»Die Lippen haben geblutet« - Prof. Reinhold Friedrich über barockes Trompete spielen

  • 21.09.2011
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2011
  • Seite 12-13

Wer kann einem Trompetenspieler besser Tipps geben als ein Experte? Und dass Reinhold Friedrich ein solcher auf dem Gebiet der Barocktrompete ist, steht außer Frage – auch wenn er das eingangs des Gesprächs noch von sich weist. Für den Heidelberger Trompetenprofessor ist es noch wichtiger, flexibel zu sein. »Ich spiele ja nicht nur Barock-, sondern auch Klappentrompete sowie deutsches und amerikanisches Modell.« In Friedrichs Augen ist es für einen guten Trompeter unerlässlich, über den Tellerrand hinauszuschauen. In einer Berufungskommission einer Professur am Tag des Interviews war beispielsweise ausdrücklich der Wunsch, dass ein Stück auf der Barocktrompete gespielt werden sollte. »Denn inzwischen ist der Barock in den Hochschulen flächendeckend angekommen. Das müssen wir als Lehrkommission leisten.« Das Interview führte Klaus Härtel.

clarino.print: Was ist einfacher – barock Trompete spielen oder Barocktrompete spielen?

Reinhold Friedrich: Ich denke, dass man sich über das barock Trompete spielen der Stilistik annähert und dann langsam zu der Notwendigkeit kommt, das Instrument zu wechseln. Man möchte so lange barocke Dinge realisieren, bis man merkt: »Ich komme mit dem modernen Instrument nicht mehr weiter. Ich muss den nächsten Schritt tun.« Es gibt natürlich Instrumente, bei denen das noch zwingender ist als bei der Trompete. Bei einer Barockvioline etwa ist der Wechsel noch größer. Ich möchte die Trompeter nicht kleinreden, aber ich spiele immer noch auf einem Trompetenmundstück, das vielleicht anders aussieht und nicht so eine schöne Rundung hat, sondern glatt ist wie eine Kloschüssel – aber es ist eben immer noch eine Trompete.


 

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