Die Kombination von Musik und Bild im Konzert - ein Praxisbericht

Programmatische Musik mit Bildern zu unterstützen ist ein reizvoller, interdisziplinärer Ansatz. Bilder illustrieren das Programm und führen das Publikum sicher durch das musikalische Werk. Zwar wird das fachmännische Publikum die Bilder kaum benötigen, um das musikalische Werk nachzuvollziehen. Eine Kombination von Musik und Bild kann aber in jedem Fall für jeden eine Bereicherung sein, wenn es wohl dosiert als auch technisch und organisatorisch einwandfrei umgesetzt ist.

Ein solches Konzert fand am 15. April 2018 im kleinen Haus des Staatstheaters Darmstadt statt. Das Landesblasorchester des Hessischen Turnverbandes gastierte dort unter der Leitung von Oliver Nickel. Auf dem Programm dieses Benefizkonzerts, das in Zusammenarbeit mit dem Lions-Club Darmstadt veranstaltet wurde, standen neben Werken von Berlioz, Debussy, Waignein und Ellerby auch zwei Werke, die während der Aufführung mit Bildern illustriert wurden: »Le Chant de l’Arbre« von Serge Lancen und »Listening to Paris« von Mickey Nicolas. Über letzteres geht dieser Praxisbericht.

Das Werk »Listening to Paris« von Mickey Nicolas

René Nicolas (*1926), besser bekannt als Mickey Nicolas, ist ein französischer Komponist, Dirigent und Saxofonist. Sein kompositorisches Werk umfasst unter anderem zehn Filmmusiken, Ballette und zahlreiche Lieder. Auf Anraten seines Freundes Désiré Dondeyne schrieb Nicolas ab 1992 auch Werke für Blasorchester.

Mit »Listening to Paris« (auf französisch: »En Ecoutant Paris«) schrieb Nicolas eine Hommage an seine Stadt. Das einsätzige Werk gleicht – ähnlich der »Symphonie de Paris« von Serge Lancen – einem Spaziergang durch Paris. Die Musik fängt die Atmosphäre der verschiedenen Stadtviertel ein, ohne den Blick gezielt auf die berühmten Sehenswürdigkeiten zu legen.

Das in der Partitur abgedruckte Programm beginnt mit den Worten: »Ein Spaziergänger schlendert durch Paris, er bummelt, hält einen Augenblick und träumt von der eindrucksvollen Vergangenheit der Hauptstadt…« Und später: »Es ist leichter, die Straße zu überqueren, wenn man einem schönen Mädchen folgt.«

Die Bandbreite der Stilistik, derer sich Mickey Nicolas in dieser Komposition bedient, reicht von Zitaten großer französischer Komponisten über Chanson und den typisch französischen Musette-Walzer bis hin zu Ballettmusik und höfischem Barock. So entstand eine bunte musikalische Collage über die Stadt Paris, die mit einer Dauer von 18 Minuten eine gewisse Länge aufweist. Deshalb kam relativ früh die Idee auf, die Programmatik des Werks mit entsprechenden Bildern zu unterstützen.

Die Auswahl der Bilder

Die Bilder, die Verwendung fanden, mussten rechtlich bedenkenlos verwendbar sein. Nach vielen Überlegungen, von Sandmalerei bis zu Aquarellen, entschied ich mich für die Verwendung von Fotografien. Als Quelle für kostenfreie Fotos bot sich die Internetseite www.pixabay.com an.

Die Plattform Pixabay versteht sich als freie Community, die Bilder und Videos frei vom Urheberrecht mit anderen teilt. Eine sichere Verwendung selbst für kommerzielle Zwecke wird dort mit kleinen Ausnahmen gewährleistet. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Website ist die Suchmöglichkeit in verschiedenen Sprachen, die vielfältigere Suchergebnisse ermöglicht.

Durch die Arbeit mit Pixabay konnte ich für »Listening to Paris« einen Pool aus über 150 verschiedenen Bildern anlegen, aus dem schließlich passende Bilder ausgewählt wurden. Dabei waren zwei Punkte im Fokus: Entweder sollte das Bild das Programm widerspiegeln, welches Nicolas seiner Partitur gegeben hatte, oder das Bild sollte die Stimmung, die Atmosphäre verstärken, das heißt die Musik zusätzlich emotional aufladen.

Üblicherweise gestaltet sich die Verbindung von Musik und Bild (wie in der Filmmusik) umgekehrt, das heißt die Musik ergänzt dort das Bild. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen der Paraphrasierung, bei der Musik und Bild das Gleiche aussagen und sich gegenseitig ergänzen, und der Polarisierung, bei der die Musik das (recht) neutrale Bild emotional auflädt.

Eine weitere Möglichkeit ist die Kontrapunktierung, bei der man durch gegenseitige Aussagen von Bild und Musik die Wirkung verstärken kann, welches in unserem Fall jedoch nicht infrage kam. Das Hinzufügen der Bilder bei »Listening to Paris« war im Wesen meist eine Paraphrasierung, wobei die Bilder die Stimmung der Musik oft in eine besser wahrnehmbare und eindeutigere Richtung lenkten.

  • 18.07.2018
  • Praxis
  • Oliver Nickel
  • Ausgabe: 7-8/2018
  • Seite 11-13

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