Die Klassiker: Blasorchester-Repertoire aus der »ersten Reihe«

  • 12.07.2018
  • Schwerpunktthema
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 7-8/2018
  • Seite 38-39

In der Regel wird zu Recht konstatiert, dass sich im Blasorchester noch kein Kanon an Repertoire-Klassikern herausgebildet habe. Im gleichen Atemzug werden dann aber doch einige wenige Titel genannt, die zum Teil von anerkannten »klassischen« Komponisten stammen (wie die beiden Suiten von Gustav Holst oder die »English Folk Song Suite« von Ralph Vaughan Williams) und zum Teil von speziellen Blasmusik-Komponisten (wie »Tirol 1809« von Sepp Tanzer). In diesem Beitrag soll es um Beiträge anderer »klassischer« Komponisten für das Blasorchester-Repertoire gehen – wobei auch Werke für kleinere Besetzungen Erwähnung finden.

Harmoniemusiken

Komponisten aus der »ersten Reihe« haben schon immer für größere Bläserbesetzungen geschrieben, zumindest seit den Harmoniemusiken von Haydn und Mozart. Ebenso wie viele heutige Blasmusikstücke handelte es sich auch bei einigen der Harmoniemusiken um Bearbeitungen – oft von Arien aus aktuellen Opern oder Singspielen.

Auch Mozart beugte sich hier ungeschriebenen Gesetzen, wie er nach der Uraufführung der »Entführung aus dem Serail« an seinen Vater Leopold schrieb: »Nun habe ich keine geringe arbeit. – bis Sonntag acht tag muß meine Opera auf die harmonie gesezt seyn – sonst kommt mir einer bevor – und hat statt meiner den Profit davon…«

Aber er wusste die Harmoniemusik auch als eigenständige Besetzung zu nutzen und schrieb einige originale Harmoniemusiken, die im Einzelfall sogar noch um einiges über das klassische Harmonie-Oktett (je zwei Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte) hinausgingen.

Mozarts »Gran Partita«

Am berühmtesten wurde KV 361, auch unter dem Namen »Gran Partita«. Sie ist instrumentiert für 13 Musiker (je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotte, Bassetthörner, vier Hörner und Kontrabass) und übertrifft mit einer Spieldauer von ca. 50 Minuten jede von Mozarts 41 Sinfonien.

Die »Gran Partita« entstand in der ersten Hälfte der 1780er Jahre, also vor der Französischen Revolution, die mit ihren Freiluftmusiken als »Geburtsstunde« des modernen Blasorchesters gilt. Deren wichtige Komponisten haben sich in der Musikgeschichte keine übergroße Bekanntheit erworben.

Im Katalog des Molenaar-Verlags finden sich jedoch einige Werke aus dieser Zeit in einer behutsam den gegenwärtigen Standards angepassten Instrumentation. Zu nennen sind vor allem Kompositionen von François Joseph Gossec (1734 bis 1829) und Louis Emanuel Jadin (1768 bis 1853).

»Ouvertüre für Harmoniemusik« von Felix Mendelssohn

Die zunächst als »Notturno« veröffentlichte »Ouvertüre für Harmoniemusik« von Felix Mendelssohn Bartholdy entstand 1824 für die Harmoniemusik im Ostseebad Bad Doberan und ist in der Urfassung instrumentiert für Flöte, je zwei Oboen, Fagotte und B-Klarinetten, Trompete, zwei Hörner und Bass-Horn.

Nachdem die Originalpartitur verlorengegangen war, schrieb der Komponist zwei Jahre später unter Nutzung seines fotografischen Gedächtnisses die Partitur neu, weitere zwölf Jahre später entstand eine Neufassung für 23 Bläser und Schlagzeug unter dem heute bekannten Titel »Ouvertüre für Harmoniemusik«.

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