Die Klarinettistin Shirley Brill

Allein sein ist nicht ihr Ding. Sie sucht die Nähe zu Menschen und insbesondere zu anderen Musikern. Die extrovertierte Klarinettistin Shirley Brill aus Israel musiziert am liebsten im Miteinander – auch als Solistin.

Durch diese Offenheit ist es nicht verwunderlich, dass sie sich ohne Furcht auf Ungewöhnliches einlässt. Wie in Ingolstadt, wo Clarino-Mitarbeiterin Christine Engel sie traf. Dort – und am folgenden Tag in Bamberg – spielte sie zusammen mit der Brassband 3BA das Klarinettenkonzert KV 622 von Wolfgang Amadeus Mozart.

Nahbar und kontaktfreudig

Hautnah können die Zuhörer sie erleben. Shirley Brill sitzt nach ihrem Auftritt mit der Brassband 3BA nicht in der Künstlergarderobe und badet divenhaft alleine in ihrem Erfolg. Nein, in Jeans steht sie in der Pause im Foyer am CD-Stand der Brassband und unterhält sich mit jedem, der gerne etwas von ihr wissen will.

Sie lacht viel, ist sehr freundlich, ihre Korkenzieherlocken wippen hin und her und sie schaut ihrem Gesprächspartner in die Augen. So wie sie es schon am Vormittag beim Interview in einem kleinen Hotel im Ingolstädter Nordwesten getan hat.

Beinahe wäre sie in die Nähe von Ingolstadt gezogen. »Ich mag Süddeutschland. Als wir von den USA zurückkamen, haben wir uns überlegt, nach München oder Berlin zu ziehen. Letztendlich ist es doch Berlin geworden, weil dort viele Freunde von uns leben.«

Wir, das sind Shirley Brill und ihr Ehemann Jonathan Aner. Er ist Pianist und begleitet die 35-Jährige schon seit fast 20 Jahren. Musikalisch und privat. Jeden Weg seit ihrer Gymnasialzeit ist Shirley Brill mit Jonathan Aner gegangen.

In der Schule fand sie zur Klarinette. Zuvor hatte Shirley Brill Klavier gelernt. »Das war schön und gut, aber es war mir zu einsam«, sagt die 35-Jährige. Schon damals spürte sie, dass sie nicht der Typ ist, der gerne alleine bleibt. »Heute weiß ich, dass man viel Kammermusik spielen kann, aber ich hatte die Möglichkeit noch nicht. Ich wollte mit anderen Leuten was machen.«

Liebe zur Klarinette

Eine wichtige Rolle spielt der erste ihrer drei Klarinettenlehrer, Yitzhak Katzap. »Vom ersten Moment an war da eine Liebe mit dem Instrument und mit ihm. Er ist bis heute wie mein dritter Opa. Wir hatten manchmal bis zu dreimal die Woche Unterricht«, erinnert sie sich.

»Er gehört zu der älteren Generation, bei der es galt, sehr konsequent Töne auszuhalten und Tonleitern zu üben. Aber ich bin ihm sehr dankbar dafür.« Shirley Brill liebt die Tonleiter bis heute. »Es ist für mich wie Meditation. Ohne Tonleiter kann ich meinen Tag nicht beginnen.«

Wenn Shirley Brill redet, flirrt die Luft vor positiver Energie. Sie spricht viel von Liebe – und man nimmt es ihr sofort ab, dass sie all das, was sie tut und was sie umgibt, aus tiefstem Herzen liebt. Natürlich auch ihr Instrument.

»Der Klang ist so warm, so rund und so nah an der Stimme, dass man denkt, wir singen mit der Klarinette. Wir können so viele Arten von Musik mit der Klarinette spielen und das Instrument hat eine riesige Familie. Von der hohen Es-Klarinette bis zur Kontrabassklarinette. So viele Klangfarben. Es bleibt immer lebendig.«

  • 17.01.2018
  • Szene
  • Christine Engel
  • Ausgabe: 1/2018
  • Seite 46-48

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