Die Klarinettisten-Familie Ottensamer im Gespräch

Der Name Ottensamer ist in Klarinettisten-Kreisen kein unbekannter: Ernst und Daniel Ottensamer sind Solo-Klarinettisten bei den Wiener Philharmonikern, Andreas Ottensamer bei den Berliner Philharmonikern. Auch als Trio sind die drei seit über zehn Jahren aktiv. Aber wie lebt es sich eigentlich in einer so talentierten Familie?

Was wäre womöglich passiert, wenn Sie, Herr Ottensamer, nicht Klarinettist wären, sondern Profi-Fußballer, Rechts­anwalt oder Maurer? Wären Ihre Söhne dann auch in Ihre Fußstapfen getreten?

Ernst Ottensamer: Im Falle einer sportlichen Karriere wäre das ganz einfach zu beantworten: Sie wären dann wahrscheinlich Fußballspieler, Tennisspieler, Golfspieler oder sonst irgendetwas. Meine Söhne haben mir eh immer vorgeworfen, dass wir ihr sportliches Talent als Fußballer nicht erkannt haben. (lacht) Aber so ist es nicht, bei uns in der Familie war die Musik, die Klarinette, omnipräsent.

Andreas Ottensamer: Frage beantwortet! (alle lachen)

Ernst Ottensamer: Wenn ich den Intelligenzgrad, den sie besitzen, berücksichtige – das ist schwer zu sagen –, aber wahrscheinlich wären sie nicht Maurer, sie hätten sicher etwas studiert. Aber wie das immer so ist im Leben: Etwas bereits Vorhandenes wird natürlich eher aufgenommen.

Wie sind Sie denn selbst zur Klarinette gekommen?

Ernst Ottensamer: Eigentlich auch interfamiliär. Mein Vater hat ein bisschen gespielt. Er kam auch aus einer Musikerfamilie, also aus dem Amateurbereich mehr oder weniger. Und ich wollte das einfach auch machen.

Und war das für Sie beide dann von vornherein klar, dass es die Klarinette wird? Ganz unabhängig davon, ob als Profi oder nicht…

Daniel Ottensamer: Es gibt ja viele Bei­spiele – auch von Kollegen –, wo die Kinder sich anders entscheiden. Bei uns war es einfach so, dass der Zugang sehr natürlich war und dass wir beide das Interesse hatten. Das hängt natürlich auch davon ab, wie es einem vorgelebt wird. Und bei uns war das immer sehr positiv, ich fand das immer sehr schön, was mein Vater macht. Das ist ein schöner Beruf, der mich dann auch interessiert hat und den ich dann auch machen wollte. Aber das hat schon auch etwas mit Zufall zu tun. Wir hätten uns ja auch in eine andere Richtung entscheiden können.

Andreas Ottensamer: Das hat sich damals auch so ergeben, weil wir beide mit Klavier angefangen haben und diesen Weg gegangen sind. Bei mir war ganz lange gar nicht klar, ob ich das wirklich mache. Das hat sich dann so entwickelt. Das Fundament einer positiven und eigentlich unbewussten Heranführung – dieser Weg wurde uns ja nicht auferlegt –, das ist es, was den Grundstein gelegt hat.

Ernst Ottensamer: Man kann zumindest sagen, ich habe zu Hause nichts falsch gemacht. Sie haben die Klarinette zumindest nicht hassen gelernt und haben auch nicht gesagt: »Ja nicht so wie der Vater«. Das Üben war scheinbar nicht so abschreckend, um es mal auf den Punkt zu bringen.

Wie sah denn dann früher bei Ihnen ein typischer Tag zu Hause aus?

Ernst Ottensamer: Beim Musikerberuf ist es ja so, dass man nicht um 8 Uhr aus dem Haus geht und um 17 Uhr wieder heimkommt. Bei uns ist das flexibler. Wir drei haben sehr früh angefangen, gemeinsam zu spielen. Als die beiden noch nicht in der Schule waren und wenn ich Zeit hatte, haben wir Noten hergenommen und versucht, diese Liebe zur Musik praktisch umzusetzen. Nicht mit der Klarinette, sie haben zunächst Cello gespielt und Klavier. Bei der Klarinette war das dann natürlich genauso, aber erst später.

  • 24.02.2016
  • Szene
  • Klaus Härtel und Cornelia Härtl
  • Ausgabe: 3/2016
  • Seite 46-49

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