Die Klarinette: Ein Instrument - zwei Systeme

  • 28.03.2017
  • Schwerpunktthema
  • Cornelia Härtl
  • Ausgabe: 4/2017
  • Seite 32-34

»Klarinettenbau ist eine schwierige Wissenschaft«, schrieb Hans-Jürgen Schaal in seinem Artikel »Das unmögliche Instrument: Wie die Klarinette wurde, was sie ist« in CLARINO 5/2010. Es ist gar nicht so einfach, die Entstehungsgeschichte dieses Instruments in allen Zügen zu erfassen.

Und auch heute noch ist Klarinette nicht gleich Klarinette: immer noch gibtes zwei parallel existierende, unterschiedliche Systeme. Aber warum ist das eigentlich so und worin liegen die Unterschiede? CLARINO hat nachgefragt...

Ein kurzer historischer Überblick

Als Erfinder der Klarinette gilt der deutsche Instrumentenbauer Johann Christoph Denner (1655 bis 1707). Seine Modernisierung des Chalumeaus, eines einfachen Volksinstruments, stieß wegen des besonderen Klangs auf großen Zuspruch. Ab 1732 wurde das Instrument als Klarinette, also kleine Clarin-Trompete, bezeichnet.

Viele Jahre lang wurde an der Klarinette weitergetüftelt, aber erst etwa 100 Jahre nach Denner machte Iwan Müller (1786 bis 1854) einen entscheidenden Schritt: 1812 stellte er ein Instrument mit 13 luftdichten Klappen und Blattschraube vor, auf dem es nun endlich möglich war, auch chromatisch zu spielen. Trotz eines negativen Gutachtens des Pariser Konservatoriums setzte sich das Instrument schon wenige Jahre später andernorts immer mehr durch.

In Frankreich ging man dagegen um 1840 andere Wege: Hyacinthe Klosé und Louis Buffet übertrugen das Ringklappensystem der Böhm-Flöte auf die Klarinette und präsentierten so ein Instrument mit 17 Klappen. Spieltechnische Erleichterungen und auch Verbesserungen der Intonation waren das Ergebnis. Die vereinfachte Technik und die akustischen Verbesserungen galten hier als entscheidendes Kriterium für die Qualität des Instruments.

Die Müller-Klarinette wurde dagegen nur sehr langsam und in kleinen Schritten weiterentwickelt. Man bemühte sich besonders, das romantische Klangideal zu wahren. Etwa 20 Jahre lang war die Böhm-Klarinette deutschen Instrumenten technisch überlegen. Carl Baermann erkannte schließlich, dass das System der Böhm-Klarinette wohl die einzige Möglichkeit sei, eine »Überladung des Instruments mit Klappen und Hebeln« zu vermeiden.

Auch der Belgier Eugène Albert behalf sich bei seinem Instrument mit Elementen der Böhm-Klarinette, allerdings war seine Klarinette intonationsgenauer. 1890 entwickelte Oskar Oehler dann die letzten großen Neuerungen am deutschen System: Sein Instrument mit 22 Klappen zeichneten vor allem klangliche Verbesserungen aus.

Zwei Systeme

Nach wie vor existieren beide Systeme parallel, wenn auch mit unterschiedlichem Verbreitungsgebiet. Aber wo liegen eigentlich die Unterschiede? Es heißt, Böhm-Klarinetten klingen schärfer, heller und vielfältiger, deutsche Klarinetten dagegen wärmer, dunkler und obertonärmer. Gottfried Veit schreibt außerdem, dass Böhm-Klarinetten durch die engere Grifflichkeit besonders für kleinere Hände geeignet sind. Dafür seien deutsche Klarinetten Böhm-Instrumenten in Sachen Intonation fast immer überlegen.

CLARINO wollte es genauer wissen und fragte bei Ludwig Dietz (Dietz Klarinettenbau in Neustadt an der Aisch) nach…

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Die Hardware: Sind die Instrumente ausentwickelt?":

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