"Die Herzen erreicht man durch Emotionen" - Alois Schöpf: "Das erfolgreiche Konzert"

In seinem jüngsten Buch beschreibt der Journalist, Autor und Veranstalter Alois Schöpf die Rahmenbedingungen, die notwendig sind, um die musikalischen Bemühungen bei Konzerten zum erfolg zu führen. Klaus Härtel sprach mit dem 61-jährigen Tiroler.

Im Geleitwort Ihres Buches »Das erfolgreiche Konzert« schreiben Sie, dass Sie nach 20 Jahren als Dirigent »erschöpft und entnervt das Handtuch« warfen. Und jetzt erklären Sie anderen Musikvereinen, wie sie es besser machen sollen?

Dazu möchte ich sagen, dass ich es inklu­sive meiner Zeit als Instrumentalist doch 44 Jahre ausgehalten habe. Das ist ja nicht nichts. Zudem hat sich die Situation in den letzten Jahren zunehmend verschlimmert. Die Musikvereine rutschen immer mehr ab in den Status von Sozialvereinen, von Jugendbeschäftigungstherapiezentren mit gratis arbeitenden Funktionärserziehern. Sie sind immer weniger das Orchester eines Ortes oder Stadtteils. Die Kunst spielt eine immer geringere Rolle, die pädagogische Schrottmusik eine immer größere. Mein Buch richtet sich dezidiert an jene, denen diese Verschulung und diese Entwicklung hin zum Jugendorchester auf die Nerven geht und die die Funktion eines Musikvereins vor allem darin sehen, Kunst zu machen und mit Musik die Tiefe der Existenz auszuloten, um es einmal ganz ­geschwollen zu sagen. Zuletzt möchte ich den Musikvereinen nicht erklären, wie sie es besser machen sollen, sondern wie sie es vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen überhaupt machen sollen. Es ist doch deprimierend, wenn jeder Obmann oder Dirigent die Welt neu erfinden muss. Auch wenn ein Leser meines Buches alles, was darin steht, ablehnt, hat er sich schon dadurch leere Kilometer erspart, weil er sich dazu gezwungen sah, scharf über sein Tun nachzudenken.

Hier gelangen Sie zum Buch!

  • 14.02.2012
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2012
  • Seite 56-57

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