Die Hand des Musikers

Für jeden Musikausübenden ist die Hand ein essenzielles Organ. ­Abgesehen von den Lippen der Bläser sind die Hände die Körperteile, die den direkten Kontakt zum Instrument haben und maßgeblich zur Spielfähigkeit beitragen. Diese enge Verbindung zwischen Hand und Instrument ist ein Grund, warum sich viele Musiker weniger vor ­Rückenschmerzen, sondern eher vor Verletzungen der Hände ­fürchten. Beschwerden an den Händen führen häufig zu einem Spiel­ausfall und sind daher von einer begründeten Angst begleitet.

Die Hände eines Menschen sind ein sehr persönlicher Teil des Körpers. Groß, klein, breit oder schmal, dazu kurze oder lange Finger – die individuellen Ausprägungen der Hände sind fast unendlich. Über Musiker­hände hört man in der Bevölkerung zudem oft, dass Pianisten »so schöne und sensible Hände« hätten. Oder Geiger schlanke, lange Finger. Ob wir Hände als schön empfinden, hängt natürlich vom persönlichen ästhetischen Empfinden ab. Fakt ist, dass die Hände in der Tat bei allen Menschen sehr sensibel sind, da der Tastsinn an den Fingerspitzen am Besten ausgeprägt ist. Rezeptoren für Druck, Vibration, Hautdehnung und Berührung wandeln die Tastreize in Informationen um, die dann ans Gehirn weitergeleitet werden. Vor allem in den Fingerspitzen sind die Druckrezep­toren sehr zahlreich angesiedelt. Vergleicht man im Versuch die Millimeter, die zwischen zwei Punkten liegen, damit diese noch als zwei unterschiedliche Reize wahrgenommen werden können, so ist die ­Distanz zwischen diesen beiden Punkten auf den Fingerspitzen wesentlich geringer als auf dem Rücken. Die Schwelle, bei der als zwei Punkte wahrgenommene Reize in einen Punkt übergehen, nennt man simultane Raumschwelle und liegt an den Fingerspitzen nur bei ungefähr einem Milli­meter. In der Handfläche liegt sie bereits bei drei bis fünf Millimeter und auf dem ­Rücken bei mehreren Zentimetern. Das sprichwörtliche Fingerspitzengefühl, das man zum Musizieren benötigt, ist also tatsächlich auch anatomisch in den Fingerspitzen angelegt. 

Muskeln hingegen wird man in den Fingern vergeblich suchen. Dort finden sich lediglich die langen Beuge- und Strecksehnen der Finger, die von zahlreichen Bändern ­geführt und gehalte

  • 27.10.2014
  • Praxis
  • Alexandra Türk-Espitalier
  • Ausgabe: 11/2014
  • Seite 16-19

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