Die gute alte Schuhschachtel - Grundlagen der Konzertsaal-Akustik

Ein Konzertsaal ist dafür da, dass die Musik gut klingt. Er soll den Schall verstärken und verbessern – wie ein begehbarer Resonanzraum. Die Akustik eines Saals ist daher nichts anderes als die Qualität seiner Schall-Reflexionen. Die jedoch bilden ein komplexes System.

Viel wird derzeit über große, neue Konzertsäle und die Akustik diskutiert. Im Oktober 2014 wurde der Konzertsaal in Katowice eröffnet, wo das Nationale Sinfonieorchester des Polnischen Rundfunks zu Hause ist. Im Januar 2015 wurde in Paris vorzeitig die neue Philharmonie eingeweiht. In zwei Jahren soll auch die Elbphilharmonie in Hamburg soweit sein. Mit allen drei Projekten ist der Japaner Yasuhisa Toyota befasst, der zurzeit als der weltweit führende Fachmann für Konzertsaal-Akustik gilt. Er war auch der verantwortliche Akustiker für die Suntory Hall in Tokio (1986), die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles (2003) oder das Konzerthaus in Kopenhagen (2009).

Auch in Aachen, Berlin, Bochum, Bonn oder Dresden sind neue Säle in Planung – in Bonn etwa ein Haus fürs Beethovenfest, in Berlin ein Saal fürs West-Eastern Divan Orchestra. In München wird seit Jahren über die Notwendigkeit eines neuen Konzertsaals gestritten. So ein Konzertbau ist ja keine Kleinigkeit, sondern eine millionenteure und städtebaulich oft einschneidende Entscheidung. Auch die Saalakustik bildet da natürlich ein heikles Thema, zumal die oft neuartige und gewagte Architektur immer wieder andere Herausforderungen stellt. Um die richtigen Lösungen für die Akustik zu finden, wird viel Zeit und Geld in die Planung investiert. In der Regel arbeiten die Akustiker heute mit physikalischen Messungen am Miniaturmodell (Maßstab 1:10) und mit 3-D-Simulationen am Computer, ehe sie sich ans Werk machen.

  • 25.02.2015
  • Praxis
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 3/2015
  • Seite 12-13

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