Die Entwicklung schreitet voran - Über Bläsermusik und Blasinstrumente im Barock

Pompös, verspielt, künstlich, dekadent und überladen prunkvoll – so wird der Barock oft beschrieben. An Fürstenhöfen und in Kirchen wurden diese Zustände in Form von aufwendig verzierten Gemälden, Skulpturen und Kostümen sichtbar. Auch die Musikschaffenden kamen um diese neue Extravaganz nicht herum. Mittelalterliche Kirchentonarten galten als veraltet, Dur und Moll waren angesagt. Plötzlich bestand Musik nicht mehr nur aus passend aneinandergereihten Tönen. Sie musste jetzt sinnlich, leidenschaftlich und ausdrucksvoll sein, Gefühle darstellen und vermitteln. Musiker und Instrumentenbauer waren also angehalten, sich selbst und vor allem die Instrumente dieser neuen Zeit anzupassen...

Mit der geblasenen Musik war es im Barock so eine Sache. Einerseits hielt sich die Meinung, die Bläserkunst schädige die Lungen und mache einen »dummen Kopf«. Zu lesen war beispielsweise: »Trompeten, Hautbois und andere dergleichen, die einen allzugrossen Allarm machen, sind dem Kopf, und der Gesundheit nicht allzu zuträglich, sie nehmen die Lunge mit, und machen das Gesicht ungestalt, die Backen und die Augen werden aufgeblasen...« Andererseits galt das Spielen eines Blasinstruments als gesundheitsförderlich und heilend, so schrieb zum Beispiel der Flötist und Komponist Johann Joachim Quantz um 1725: »Die Brust wird dadurch mehr und mehr geöffnet und stärker gemachet. Es ist daraus zu schließen, daß das Blasen auf der Flöte der Lunge eben so wenig schade, als das Reuten, Fechten, Tanzen und Laufen. Daß die Trompete eine stärkere Lunge, und noch weit mehr Kräfte des Leibes erfordere, wird niemand in Abrede stellen. Dem ungeachtet zeiget die Erfahrung, daß Leute, so sich mit der Trompete abgeben, mehrentheils ein sehr hohes Alter erreichen.« Und gerade die Trompeter, »die so einen Allarm machten«, hatten im Barock einen hohen Stand. Sie waren ausschließlich bei Hofe oder im Militärdienst angestellt und durften weder mit anderen Spielleuten zusammenspielen noch auf »zweifelhaften Feierlichkeiten« blasen, um ihr Ansehen nicht zu gefährden.

 

  • 21.09.2011
  • Historisches
  • Christian Mayr
  • Ausgabe: 3/2011
  • Seite 32-33

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