die damenkapelle - eine gratwanderung zwischen kunst und kommerz

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Uschi Mohr
  • Ausgabe: 2/2005
  • Seite 12-13

Das ganze Unternehmen »Musik« ist eine »Gratwanderung zwischen Kunst und Kommerz«. Und zwar für »Lizzy Melón & die Damenkapelle« ganz besonders. Denn die acht Musikerinnen wollen ja nicht nur sich selbst und ihr Können verwirklichen und gleichzeitig damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie wollen mehr: Musizieren und singen, texten und schreiben, Show machen und Theater spielen. Auf der einen Seite gelten sie als Kuriosum – lauter Frauen, die swingen, Witz und Musikalität ausleben und für Männer damit zwangsläufig eher unterhaltsamen denn ernsthaften Charakter haben. Auf der anderen Seite sind sie mehr als »nur« Musikerinnen, denn nach der gelungenen Premiere ihrer selbst geschriebenen, selbst komponierten, selbst getexteten und selbst gespielten Komödie »Greif dem Leben in die Tasche« am Brandenburger Theater 2004 geht das Projekt jetzt im Februar am Kleistforum in Frankfurt/Oder in die zweite Runde. Und dazwischen heizten sie zu Silvester Karl Moik und Millionen Zuschauern im »Musikantenstadel« ein.

Lizzy Melón nennt sich die Gründerin der Truppe, die als erste Damenkapelle in Deutschland vor zehn Jahren begann, von sich reden zu machen. Dass der Name der Band um dieses Alias erweitert wurde, hatte handfeste Gründe: »Als irgendwann bei mir ein netter Herr im Keller stand und die Damenkapelle kennen lernen wollte, wars einfach zu viel. Witzig ist es ja, denn die nehmen vermutlich an, wir seien alle solo und auf der Suche. Gut, dass mein Mann zu Hause war – da war die Überraschung schon perfekt. Aber auch gegen Telefonterror und Ähnliches – unter ›Lizzy Melón‹ ist eben keine konkret auszumachen.« Denn ein wenig »gruslig« sei es schon, wenn einer am Telefon erklärt, er fände die Kapelle toll, würde aber 4000 Mark pro Nase hinlegen, »wenn ein bisschen mehr Bein zu sehen sein könnte« beim nächsten Fernsehauftritt, findet die Blondine. Den Titel »Die Damenkapelle« hat die Managerin der Band längst schützen lassen: »Alle müssen sich durchkämpfen, und ich weiß, wie schwierig das ist. Abgucken und nachmachen darf uns ja jede, davor hab ich heute keine Panik mehr. Aber heißen sollen sie nicht auch noch wie das Original.«

 

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