Die Ambulanz für Musikermedizin in München: individuell und interdisziplinär

Foto: Michael Stobrawe MRI-TUM

Dass der Beruf Musiker durchaus ein Knochenjob sein kann, wissen viele Profiinstrumentalisten. Und auch Amateurmusiker klagen schon mal über allerlei Wehwehchen. Früher musste man sich normalerweise selbst helfen – oder das Musizieren eben sein lassen. Heute gibt es Musikerambulanzen. Zum Beispiel in München, wo unter anderem Dr. med. André Lee praktiziert.

Musikerambulanzen oder Institute für Musikermedizin gibt es heute so einige. In Freiburg, Dresden, Düsseldorf, Detmold, Hannover hat man die Zeichen der Zeit erkannt – und die Liste wird immer länger. Denn dass diese Einrichtungen durchaus sinnvoll sind, erkennen nicht nur Musiker jedweder Coleur, sondern auch die Mediziner, die sich mit den Problemen dieser Musiker beschäftigen. Und notwendig sind die Ambulanzen offensichtlich auch. Denn die, die es gibt, sind stark frequentiert.

Die Ambulanz für Musikermedizin in München

Auch in München gibt es mittlerweile eine Ambulanz für Musikermedizin. Allerdings erst seit nunmehr fast vier Jahren. Dass eine Musikstadt wie München mit ihren Sinfonieorchestern, Opernhäusern, Ensembles und vor allem Musikstudenten erst so spät in die Spur findet, mutet merkwürdig an. Aber die Hauptsache ist ja, dass Prof. Dr. Bernhard Haslinger, Oberarzt an der Neurologischen Klinik der TU München, den Bedarf erkannt und die Ambulanz interdisziplinär ins Leben gerufen hat. 

Seit Juli 2015 gibt es nun die »Ambulanz für Musikermedizin«. Sie ist am »Klinikum rechts der Isar« beheimatet und vereint mehrere medizinische Disziplinen. Interdisziplinarität wird hier großgeschrieben. Der regelmäßige Austausch der Mediziner untereinander gilt als einer der wichtigsten und entscheidenden Aspekte, wenn es um das Wohl des Patienten geht. Bei den Musikern ist man in und um München damit offene Türen eingerannt. »Die Musiker sind wirklich dankbar«, hat Dr. André Lee den Eindruck.

Akt der Notwendigkeit: Zusammenführung mehrerer Disziplinen

Da Musiker nie gleich Musiker ist, ist die Zusammenführung mehrerer Disziplinen schon deshalb ein Akt der Notwendigkeit. Während der eine Musiker unter Bewegungsstörungen leidet, der zweite über akute oder chronische Schmerzsyndrome klagt, hat der dritte Aufführungsangst und der vierte Probleme mit der Sing­ und Sprechstimme. Da braucht es schon Expertenwissen.

Die beteiligten Ärzte sind deshalb neben Prof. Bernhard Haslinger (Neurologie) Dr. André Lee (ebenfalls Neurologie), PD Dr. Kai Megerle (Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie), Dr. Simone Graf (HNO­Klinik/Phoniatrie) und Dr. Joram Ronel (Klinik für Psychosomatische Medizin).

  • 11.06.2019
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2019
  • Seite 34-35

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