Der Whisper-Penny von Michael T. Otto - Braucht man das?

Es gibt so Dinge im Leben, die braucht man nicht wirklich dringend. Aber es ist ganz schön, wenn man sie hat. Einen Gasgrill mit vier Brennern etwa. Oder eine PlayStation 4. Oder eben einen Whisper-Penny. Braucht kein Mensch – kann man aber wunderbar gebrauchen.

Das Erscheinungsbild

Der Whisper-Penny – Flüster-Pfennig – ist aus Metall und besteht aus einer gewölbten Scheibe mit vier unterschiedlich großen Bohrungslöchern. Aus der Scheibe ragt eine leicht gebogene und leicht zu verbiegende, etwa zehn Zentimeter lange Metallstange heraus. Der Whisper-Penny sieht aus wie – ja, wie was eigentlich? Eine Haarspange? Ein langer verbogener Nagel? Michael T. Otto lacht: "Wer keine Ahnung hat, was das ist, kommt da nie drauf..."

Die Idee hinter dem Produkt

Der Trompeter Michael T. Otto ist der Erfinder des Whisper-Penny. Vor etwas mehr als vier Jahren  kam ihm die Idee dazu. Wie aber kommt man denn auf so was? Solche Ideen hat man – wie so oft – aus Zufall. "Ein befreundeter Trompeter hatte bei mir in ­einer Schreibtischschublade einen alten Reißnagel gefunden und meinte, das sei 'so ein altes italienisches Teil, das man sich ins Mundstück legt, damit sich’s rauschig anhört!' Ich wusste gar nicht, wovon der spricht..."

Die eigentliche Idee sei also "ein alter Hut", gibt Otto zu. Er habe das auch gleich mal ausprobiert. "Das war aber nicht so spaßig mit dem Reißnagel im Mundstück", lacht er. "Wenn man dann mal 'aus Versehen' durch den Mund einatmet..." Aber der Effekt war da – es rauschte. Und Michael T. Otto wusste: "Das brauche ich, doch das müssen wir gescheit machen!"

Gemeinsam mit dem Instrumentenbauer Christoph Endres aus Nürnberg (www.blechin.de) und Matthias Wellner, im Hauptberuf Techniker im Metallbereich, wurde getüftelt, gebastelt, entwickelt. Schließlich wurde der Whisper-Penny patentiert und die Wortmarke eingetragen.

Die Verwendung

Der Whisper-Penny wird – mit der Stange – in das aufgesetzte Mundstück eingeführt, die Lochscheibe sitzt dann mittig und fest im Mundstückkessel. Da die Stange nicht gerade ist, fällt der Whisper-Penny normalerweise auch nicht heraus. Dann spielt man auf dem Instrument unverändert und in gewohnter Weise. Zum Herausnehmen zieht man das Mundstück vom Instrument ab und drückt gegen den aus dem Schaft hervorstehenden Stab.

Der Effekt

Und was passiert? Welcher Effekt tritt ein? Nun ja, es rauscht. Hörbar mehr Luft wird quasi neben oder mit dem Ton durchs Instrument gepustet. Die Luftverwirbelungen rufen das Rauschen hervor. "Im Detail kann ich das gar nicht so genau sagen", zuckt der Trompeter mit den Achseln, "es war auch nie unser Anspruch, alles erklären zu wollen... Es ist eben ein Effekt."

Michael T. Otto bekräftigt noch einmal, dass der Whisper-Penny keinerlei pädagogisches Ziel verfolgt. "Der Effekt dahinter ist ein rein künstlerischer." Der Whisper-Penny sei ein weiteres Tool, den Klang zu verändern.

"Dieses Teil ist eine individuelle Sache, eine Bereicherung für den jeweiligen Musiker und seinen Klang." Für neue Musik sei seine Erfindung geeignet und für Popularmusik. Für Blasorchester sei der Whisper-Penny nur bedingt – eventuell im solistischen Bereich – interessant.

Natürlich kann man den Sound auch mit dem Ansatz erreichen. Aber das ist aufwendig und mit viel Übung verbunden. "Gerade die Tüftler und Klangbastler äußerten sich positiv und wollten das ausprobieren, wollten ihrem Klang eine weitere Farbe hinzufügen."

Resonanz auf den Whisper-Penny

Insgesamt sei die Resonanz auf den Whisper-Penny ganz enorm, findet Michael T. Otto. Die dazugehörigen YouTube-Videos werden zahlreich angeklickt. Die persönlichen Meinungen seien überwiegend positiv.

Nachvollziehbar sind für den Trompeter aber auch die kritischen Stimmen. »Mancher Trompeter hat jahrelang gebraucht, dieses Rauschen wegzubekommen und hat darunter gelitten! Und jetzt kommt der Otto daher und deckt die dunkle Vergangenheit wieder auf!«

Er kann verstehen, dass man "so was nicht braucht". Und Michael T. Otto hätte auch kein Verständnis dafür, wenn jemand nur noch mit dem Whisper-Penny spielen und das als seinen Stil titulieren würde.

"Das ist Quatsch!" Klingen wie Till Brönner? Gelegentlich – aber immer? Otto selbst spielt ab und zu mit diesem Teil und findet, dass "der Effekt ja so noch viel spannender ist – weil man den Unterschied wahrnimmt".

whisper-penny.de

  • 31.01.2018
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 2/2018
  • Seite 18

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