Der Ulmer Dirigent Matthias Prock: Das Konzert ist die Kür!

Oberstleutnant Matthias Prock kommt, so sagt er selbst, »ein wenig verschwitzt« von der Probe. Sieht man ihm so gar nicht an. Die Uniform sitzt perfekt, die Frisur ebenso. Mit raumgreifenden Schritten geht’s zunächst zum Kaffeeautomaten, dann in sein Büro. Doch der Eindruck, hier sei jemand in Eile, täuscht. Beim Gespräch nimmt er sich alle Zeit der Welt. 

Proben für das Musikfest der Bundeswehr

Man habe gerade für das Musikfest der Bundeswehr in Düsseldorf geprobt. »Wir müssen das momentan noch außerhalb der Kaserne tun«, erklärt er. »Innerhalb ist ­einfach zu wenig Platz.« Nebenbei angemerkt: Die Proben haben sich gelohnt. Denn während das Gespräch zwar vor der Düsseldorfer Veranstaltung stattgefunden hat, war die Drucklegung dieser Ausgabe danach. Und im Publikum im ISS Dome war zu vernehmen, dass »die Ulmer eine tolle Show abgeliefert« haben, die gar nicht so sehr von Marschmusik geprägt war, doch dafür umso unterhaltender war: »Auf de schwäbsche Eisebahne«, »Ein Freund, ein guter Freund«, »Happy Music« – das Publikum war begeistert. 

Wurzeln in der Kirchenmusik

So militärisch klang das gar nicht. Wobei es ja ein landläufiges Missverständnis ist, Militärmusik sei gleichzusetzen mit Marschmusik. Viele Augen und Ohren können da noch geöffnet werden. Auch Matthias Prock wusste nicht schon immer um die Vielfältigkeit und Vielseitigkeit der Militärmusik. »Tatsächlich bin ich nicht mit Blasmusik groß geworden«, gibt er zu. 

Mat­thias Prock sammelte seine ersten musikalischen Erfahrungen als Domsänger bei den Regensburger Domspatzen. Als dann die Überlegung aufkam, Musik studieren zu wollen, kam letztlich nur die Kirchenmusik infrage. Er nahm sein Studium an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik in Regensburg auf. Nach seinem Examen folgte am selben Institut sein zweiter Studien­abschluss als »Musiklehrer mit Hauptfach Orgel«. 

Während seiner Regensburger Zeit wirkte Prock in mehreren Pfarreien als Kantor und Konzertorganist. Den Plan, in Freiburg seine kirchenmusikalische Aus­bildung mit dem Konzertexamen zu er­gänzen, durchkreuzte dann die Bundeswehr mit dem Einberufungsbescheid. 

Erste Berührungspunkte mit der Bundeswehr

»Zuerst einmal war ich todunglücklich«, gibt er zu. »Ich konnte mir das gar nicht vorstellen! Ich hatte überhaupt keinen Berührungspunkt mit der Bundeswehr!« 

Und dementsprechend habe er auch nichts von einer Militärmusik gewusst. Durch ­Zufall sei er dann von einem Kommilitonen auf den Militärmusikdienst aufmerksam gemacht worden und die Möglichkeit, im Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr als Korrepetitor eingesetzt zu werden. 

»Die Idee dabei war, dass ich wenigstens am Tasteninstrument bleiben konnte.« Der Chef war damals Oberstleutnant Walter Ratzek, bei dem Prock dann vorspielen musste. Offiziell nannte sich das damals VU-Gehilfe, Versorgungsunteroffizier-Gehilfe. 

Unter Oberstleutnant Robert Kuckertz wurde Prock dann schließlich in der Ausbildung als Korrepetitor für die Blas­instrumente eingesetzt. »Das war eine sehr intensive Zeit, in der ich alle Eigenheiten der Blasinstrumente erleben konnte.« Erst hier habe er konzertante Auftritte in all ihrer Vielseitigkeit kennengelernt. »Ich war sehr, sehr fasziniert! Das kannte ich bis dato nicht!«

  • 19.12.2018
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 11/2018
  • Seite 44-45

« zurück