Der U-Trainer: Die bläserische Muckibude

  • 07.05.2018
  • Praxis
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 5/2018
  • Seite 14-15

Im Grunde genommen ist es ganz einfach: Muskeln wachsen dann, wenn man sie über die gewohnten Tätigkeiten hinaus trainiert. Um es auf ein Schlagwort zu reduzieren: Raus aus der Komfortzone. Für Bläser würde das bedeuten, länger, höher, intensiver, mit größerer dynamischer Bandbreite zu spielen, als das in den Noten normalerweise verlangt wird. Natürlich gibt es auch für Bläser verschiedene Versuche, per Trainingsgerät oder Trainingshelfer einen Effekt zu erzielen, der »nur« mit dem Instrument schwer vorstellbar wäre.

Machen wir uns nichts vor, es ist wie im »richtigen Leben«. Klar hätte jeder gern einen Traumkörper mit gestählten Muskeln an der richtigen Stelle, aber nur durch Treppensteigen statt Aufzugfahren kriegt man das in aller Regel nicht hin. Da muss mit dem richtigen Trainingskonzept, viel Ausdauer, Disziplin und vor allem auch mit den passenden Geräten trainiert werden.

Muskelaufbau mit dem U-Trainer

Ein für Bläser passendes Trainingsgerät ist nun mit dem U-Trainer auf dem Markt angekommen. Es gab ja schon in der Vergangenheit verschiedene Trainingshelfer, die einen gezielten Muskelaufbau versprochen haben – und sicher hat (bei richtiger und konsequenter Anwendung) das eine oder andere Gerät das Versprechen auch gehalten.

Der U-Trainer verfolgt aber einen neuen Ansatz. Durch den Scherenmechanismus des U-Trainers soll der Teil der Gesichtsmuskulatur auch in Bewegung gestärkt werden, der beim Spielen eines Blasinstruments gebraucht wird. Die Trainingsintensität kann dabei durch Weg- oder Hinzunahme von Gummiringen variiert werden.

Die richtige Anwendung

Der U-Trainer ist ein formschönes Gerät, das Lust aufs Muskeltraining macht. Durch seine Form bleibt es genau dort, wo man es beim Training haben will und verrutscht nicht. Wichtig ist, nicht einfach loszulegen, wenn der U-Trainer ausgepackt ist, sondern sich erst zu vergegenwärtigen, wie Muskelaufbau funktioniert.

Hier kann ein Blick ins Internet helfen, vor allem einschlägige Fitnesszeitschriften bieten auf ihren Webseiten umfangreiche Informationen zur Theorie des Muskelaufbaus an. Eine der wichtigsten Regeln, die es (wie übrigens auch beim instrumentalen Üben) zu beachten gilt, ist, dass sich Spannungs- und Entspannungsphasen abwechseln müssen.

Dies ist auch in der kurzen Trainingsanleitung nachzulesen, die mit dem U-Trainer mitgeliefert wird. Hier sind verschiedene Trainingsarten beschrieben, die dem Spieler helfen sollen, zu mehr Ausdauer, Höhe und dynamischer Bandbreite zu kommen. Und, noch einmal: Am Ende des Trainings ist Entspannung und Lippenstretching Pflicht!

Ein spürbarer Effekt

Ein erster Test des U-Trainers zeigt, dass das Gerät nicht zuviel verspricht. Schon nach wenigen Übungseinheiten stellt sich ein Gefühl ein, das Bläser nach intensiven Übungsphasen kennen: Man hat buchstäblich das Gefühl, als würde die Muskulatur wachsen.

Zwar ist dieses Gefühl auch mit einem leichten Muskelkater verbunden, aber das muss so sein, glaubt man den einschlägigen Seiten der Fitnessmagazine über Muskelaufbau. Was wir als Muskelkater empfinden, ist die Reparaturphase der Muskulatur nach einer Belastung, die der Muskulatur kleinste Risse zugefügt hat. Repariert der Muskel diese kleinen Risse, wird er – vereinfacht ausgedrückt – kräftiger und wächst.

Wer nun glaubt, nie wieder üben zu müssen, wenn er sich nur ausreichend oft mit dem U-Trainer beschäftigt, sei allerdings gewarnt: Das Spielen eines Blasinstruments ist eine äußerst delikate Angelegenheit, die kleinste Bewegungen und viel Feingefühl erfordert. Das Training mit dem U-Trainer (und anderen Trainingshelfern) sollte also stets von sinnvollen methodischen Übungseinheiten am Instrument begleitet werden.

Um einen Vergleich zur »realen« Fitnesswelt zu ziehen: Mr. Universe könnte sicher einen Lkw quer durch die Stadt ziehen, ob er aber ein guter Goldschmied oder Gehirnchirurg wäre, sei einfach einmal dahingestellt.

Lieferumfang

Für das feinmechanische Training legt der Hersteller dem Blechbläserpaket übrigens den »U-Trainer-Point« bei. Mit diesem Gerät soll die richtige Ansatzform trainiert werden, damit nicht nur die Muskulatur gestärkt wird.

Für Holzbläser (für die das Training mit dem U-Trainer ebenfalls hilfreich sein kann) ist das Zusatzgerät für die richtige Ansatzform derzeit noch in Entwicklung.

Das U-Trainer-Set enthält einen U-Trainer, eine Trainingsanleitung, einige Ersatz-Spannungsringe und den »U-Trainer-Point« (nur in der Blechbläservariante enthalten).

Fazit

Richtig angewandt ist der U-Trainer sicher eine überaus sinnvolle Ergänzung des Ansatztrainings für Blech- und auch Holzbläser und kann wirklich überall und jederzeit verwendet werden: Im Auto (anders als Mundstückübungen lenkt die Arbeit mit dem U-Trainer den Fahrer nicht ab), beim Fernsehen (man kann den Kopf während des Trainings aufrecht halten) oder im Büro (sofern man gegen verwunderte Kollegenkommentare immun ist).

Kurzum: Ein tolles Teil, und mit 39,95 Euro (Blechbläser) bzw. 29,95 Euro (Holzbläser, baugleich mit dem Blechbläser-U-Trainer, nur eben ohne »Point«) auch gar nicht so teuer. Da lohnt sich der Versuch auf jeden Fall, zumal sich zumindest der gefühlte Trainingseffekt sehr schnell einstellt.

Interessante Videos und Trainingsanleitungen sind auch auf der Hersteller-Webseite oder bei YouTube zu finden.

Übrigens ist die hygienische Reinigung aufgrund des verwendeten Materials überhaupt kein Problem. Einer langen Verwendungsdauer und einem erfolgreichen Training mit dem U-Trainer sollte also nichts im Wege stehen.

www.u-trainer.info

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